Politik
Aktuelle Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

Markac und Gotovina: Jubel in Kroatien über Freisprüche

Von 
Jubel im Zentrum von Zagreb.
Jubel im Zentrum von Zagreb.
Foto: AFP

Haager Entscheidung wird als später Sieg interpretiert

Tausende Kroaten jubelten am Sonntag in Vukovar ihrem Mladen Markac zu, der am Freitag nach einem Freispruch im Berufungsverfahren der Haager Haft entlassen worden war. Sein Kollege Ante Gotovina will sich mit der triumphalen Heimkehr Zeit lassen und die ersten Tage mit der Familie verbringen.

Auch kroatische Kriegsverbrechen

Aber die Schlacht um die Deutung des Freispruchs entbrannte schon in dem Moment, als die Haager Richter unter dem Vorsitz des Amerikaners Theodor Meron ihr Urteil verkündeten. Der Spruch sei eine „viel zu späte Bestätigung, dass Kroatien einen legitimen und gerechten Befreiungskampf für Demokratie und Freiheit geführt“ habe, erklärte der Vorsitzende eines „Kroatischen Weltkongresses“, Mijo Maric. „Erstmals in der Menschheitsgeschichte“ habe eine „siegreiche Armee“ vor Gericht gestanden, „die in einem Verteidigungskrieg zudem nur ihr eigenes Territorium befreit hat.“ Die Regierenden äußert sich vorsichtig. Auch Kroaten hätten Kriegsverbrechen begangen, merkte Premier Zoran Milanovic an.

Die Richter der ersten Instanz hatten Gotovina 2011 zu 24 Jahren und Markac zu 18 Jahren Haft verurteilt. Sie waren dem Vorwurf der Anklage gefolgt und warfen beiden vor, in einem gemeinsamen kriminellen Unternehmen mit dem damaligen Präsidenten Franjo Tudjman und seinen Verteidigungsminister Gojko Susak bis zu 200.000 dort ansässige Serben aus Kroatien vertrieben zu haben. Gotovina war der Befehlshaber der „Aktion Sturm“ im Sommer 1995. Dabei rückte die kroatische Armee wieder in der Krajina ein. Markac war Chef der Spezialpolizei, die danach noch verbliebene Serben entweder selbst ermordete oder bei Massakern nicht eingriff.

Gezielte Vertreibung?

Der Urteilsspruch hing in erster wie zweiter Instanz an einer einzigen Frage: Geschah der Beschuss dreier Städte in den frühen Morgenstunden des 4. August 1995 mit der Absicht, die Zivilbevölkerung in die Flucht zu schlagen – oder nicht? Anerkannte Tatsache ist, dass in der abtrünnigen „Republik Serbische Krajina“ die Bewohner von Knin in Panik ihre Sachen packten, als der Artilleriebeschuss begann. Sie flohen mit den Bewohnern umliegender Dörfer nach Bosnien.

Die erste Instanz in Den Haag hatte den Beschuss durch Gotovinas Truppen als gezielte Vertreibung interpretiert. Die zweite Instanz in Den Haag urteilte, es habe sich um einen Angriff auf „militärische Ziele“ gehandelt. Die waren weniger als 200 Meter von den Einschlagorten der Granaten entfernt zu finden. Da das Manöver aber mit der serbischen Führung in Belgrad abgesprochen war, hatte die serbische Armee gar keinen Widerstand geleistet.

Für viele Kroaten wurde bei dieser Aktion vor allem Gotovina zum Nationalhelden. In Dalmatien, von wo er stammt, klebt seither überall sein Konterfei. Der frühere Premier Ivo Sanader, der 2003 zur Festnahme von Gotovina beigetragen hatte, wurde deshalb für die extreme Rechte in Kroatien zur Hassfigur. Die rechte Rock- und Jugendszene schätzt den General mit den kantigen Zügen zudem für seine Vergangenheit als Fremdenlegionär und Juwelenräuber in Frankreich.

Wütend reagierten hingegen serbische Nationalisten, die aus Wut über die Freisprüche in Belgrad demonstrierten und eine Kroatien-Flagge verbrannten. Mehrere hundert Menschen waren dazu am Samstag dem Aufruf der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei gefolgt. (mit AFP)

Jetzt bestellen

Das neue, einfache und überall verfügbare
E-Paper der Berliner Zeitung.

Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Aktuelle Videos
Neuste Bildergalerien Politik
Blog aus Istanbul
Dossier
Einflussnahme auf Abgeordnete im Bundestag. Inzwischen gilt es als ausgeschlossen, dass  Deutschland in dieser Legislaturperiode noch das UN-Abkommen  ratifizieren wird, das schon vor  zehn Jahren verabschiedet wurde.

Wir begleiten vier Abgeordnete, die in dieser Legislaturperiode erstmals im Bundestag sitzen.

Dossier
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

Aktuelle Nachrichten vom Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre mutmaßlichen Helfer.

Dossier

Edward Snowden hat den größten Spionage-Skandal der Geschichte aufgedeckt.

Meinung
Jobmarkt
Wohnen
Specials

Sonderbeilagen und Specials der Berliner Zeitung. Eine Auswahl besonderer Beilagen finden Sie nun auch online.

Anzeige