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Mecklenburg-Vorpommern: Beifall von falschen Freunden

Mathias Brodkorb (SPD) ist erst seit ein paar Wochen Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern und muss sich bereits gegen falsche Freunde wehren. Wegen eines Interviews sprang ihm zuletzt sogar die NPD bei. „Nicht auszudenken“, so ein Parteisprecher, „wenn eine derartige Aussage dem Munde eines NPD-Funktionärs entsprungen wäre. Politik und Medien würden sich überschlagen in ihren Forderungen nach einem Verbot der nationalen Oppositionskraft.“ In der NDR-Sendung Klassik à la Carte hatte Brodkorb Hitlers Lieblingskünstler, den Bildhauer Arno Breker und die Filmregisseurin Leni Riefenstahl, als große Künstler bezeichnet.

Womöglich hat er es aber gar nicht so gemeint, eine inhaltliche oder ästhetische Begründung blieb jedenfalls aus. Auf die Frage, ob kulturelle Angebote vor rechten Ideologien schützen können, sprach Brodkorb darüber, dass Kultur nicht per se links oder demokratisch sei. Und dann fiel der Satz über Breker und Riefenstahl.

Umstrittene Anti-Rechts-Aktionen

Auf das Glatteis mit Nazi-Vergleichen kam Brodkorb nicht einfach so. Er kennt sich da aus. Für sein Engagement gegen Rechts ist er kürzlich von der SPD sogar mit dem Wilhelm-Dröscher-Preis ausgezeichnet worden. Brodkorb ist Mitbegründer der Internetseite endstation-rechts.de und Miterfinder des satirischen Modelabels Storch Heinar, das die bei Neonazis beliebte Modefirma Thor Steinar verulkt. Bekannt wurde Brodkorb, als Thor Steinar gegen das Storch-Projekt klagte, aber abgewiesen wurde.

Mit seinen Aktionen ist Brodkorb in seiner Partei nicht nur beliebt. Schon 2003 hagelte es Proteste, als er in einem Trakt des NS-Seebades Prora auf Rügen aus Hitlers Mein Kampf las und mit Jugendlichen darüber diskutierte. Nicht wenige Genossen betrachten es als nicht unproblematisch, dass Brodkorb sich argumentativ mit der NPD auseinandersetzt und diese dadurch aufwerte. Brodkorb hat Philosophie studiert, ist wissenschaftlich ambitioniert. Anlässlich des 25. Jahrestages des Historikerstreits gab er ein Buch heraus. Schon möglich, dass der mitteilsame Politiker die Öffentlichkeit demnächst mit seinen Ansichten darüber behelligt, was es mit der Größe von Riefenstahl und Breker genau auf sich hat. Die kulturpolitisch interessierte NDP wäre bestimmt unter den Zuhörern.


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