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Ein Aqua-Kult gegen Rechtspopulismus

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Symbolbild

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imago/Westend61

Ich verspreche eine neue Zeit. Als Guru. Oder wie man jemanden eben nennt, der so mitreißend Glück verspricht, dass ihm viele Kunden folgen. Ganz wichtig: Kunden. Es ist ein Geschäftsmodell, keine neue Religion. Gerade zu Ostern möchte ich nicht als Trittbrettfahrer des Heilands rüberkommen.

Wie alle wirklich guten Geschäftsideen, ist es wahnsinnig einfach. Was hat im Moment Erfolg? Niedertracht, schlechter Charakter und einfache Lösungen. Also Rechtspopulismus. Allerdings versprechen die schrägen Vögel von der AfD auch nicht mehr, als dass sich ihre Wähler zulasten Schwächerer abreagieren können. Was, wie wir aus anderen Bereichen der Pornographie wissen, niemanden glücklich macht.

Für Modernisierungsverweigerer und Überschleunigte

Meine Botschaft ist deswegen eine ganz andere: Nicht vor Wut in die Luft, sondern aus Sehnsucht ins Wasser gehen. Einen Aqua-Kult wollte ich gründen. Die ansprechbare Zielgruppe ist riesig. Nach einigen beruflichen Begegnungen hatte ich den Eindruck, dass alle Medienmenschen, die in den Ferien nicht rituell hungern, unbedingt tauchen müssen. Wer heute noch im Urlaub mit einem Buch auf der Liege liegt, der bietet bei Partys auch noch Zigaretten im Perlmuttspender der Eltern an. Spirituell läuft da wenig. Vor allem die Männer erzählen nur, wie sie einmal so tief waren, dass ihnen ein unter Tauchern sehr prestigeträchtiger Wahnsinn drohte.

Noch ansprechbarer für meine Botschaft: die Modernisierungsverweigerer und Überschleunigten. Schluss mit der Selbstoptimierung: Wässern sie sich. Kommen sie dort zur Ruhe, wo sie gar nicht anders können. Keiner kann sie anschreien. Keiner checkt unter Wasser seine Mails. Keiner trägt Kopfhörer.

Selbstverständlich habe ich keine fassbare „Message“. Haben aber doch die Yoga-Leute auch nicht. Ein paar kluge Zitate von einer Person mit fernöstlich klingendem Namen. Fotos einiger sehr alter Inder, die unerhört beweglich sind. Schon schleppen Tausende deutscher Städter Yoga-Matten durch die Gegend und atmen ihre „Gifte“ in den Beckenboden. Bei mir schnorcheln sich die Leute glücklich. Mir haftet zudem dieses Unstählerne auf den Hüften. Womit ich auch für den Normalmenschen als Schnorchelmeister augenblicklich plausibel bin.

Essen mit freiem Oberkörper

Jetzt kommt leider das praktische Problem: Bei ersten Versuchen wurde ich vom Ozean ruppig gerüttelt. Trieb mehr, als dass ich mich im Urelement graziös bewegte. Die wohnzimmersesselgroßen Schildkröten, hinter denen ich mich spitzbübisch verbergen wollte, blieben aus. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass meine neue Zeit als Begründer eines Schnorchelkults bereits beendet ist. Deswegen lenke ich meine Vorfreude auf eine kleinere Idee.

Wie viele männliche Erwachsene, die der strengen Mutter bei den Tischmanieren zivilen Widerstand leisteten, hinterlässt jedes Essen Flecken auf meiner Kleidung. Insbesondere dem Oberhemd. Deswegen werde ich unter dem Stichwort „Etikette-Schwindel“ eine Aktion viral werden lassen, die auf die neue kulinarische Mode des „clean eating“ aufsattelt. Das Ziel: Restaurants, die schon bei Slow Food verständnisvoll waren, erlauben womöglich auch das Essen mit freiem Oberkörper. Es ist nie zu früh, fangen Sie an Ostern gleich an. Ich wünsche Ihnen unbefleckte Feiertage.