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Kommentar: Berlin hat einen stimmigen Plan für die Flüchtlinge

Flüchtlinge in Tempelhof

Ein Arzt untersucht am in der Flüchtlingsnotunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhofein Kind aus Mazedonien auf dem Arm des Vaters.

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dpa

Berlin hat als erstes Bundesland ein Gesamtkonzept für die Integration von Flüchtlingen vorgelegt. Schon die Tatsache an sich ist lobenswert; die hiesigen Politiker gelten ja als Vorzeigeversager und der SPD/CDU-Senat als zerstritten.

Im Gegensatz zu allen anderen Regionen habe die Hauptstadt es nicht geschafft, zigtausend Asylbewerber würdig aufzunehmen, lautet das Urteil. Vielleicht ist es auch nur ein Vorurteil, denn Berlin bewältigt die Aufgabe trotz unbestritten großer Anfangsprobleme inzwischen recht ordentlich.

Hier müssen keine Flüchtlinge in Zelten hausen wie in einigen anderen Bundesländern. Die größte Massenunterkunft am früheren Flughafen Tempelhof ist verglichen mit der Kaserne in Heidelberg oder dem Fliegerhorst in Erding bei München noch niedlich. Und dramatische Brandanschläge auf Flüchtlingsheime gab es bisher vielerorts. Nicht aber in Berlin.

Nun stellt Berlin sich auch der eigentlichen Aufgabe, der Integration. In nur acht Wochen haben die SPD- und CDU-Senatoren unter der Ägide  des Regierenden Michael Müller skizziert, wie es aus ihrer Sicht klappen könnte.

Das Konzept ist noch nicht fertig, aber stimmig. Vor allem aber lässt es ein Ziel erkennen: Die Asylbewerber sollen ein eigenverantwortliches Leben führen und zudem neben der deutschen Sprache auch Werte vermittelt bekommen. Es ist ein vernünftiger Entwurf, wie ihn längst die Bundesregierung hätte vorlegen müssen.

Anfang des Jahres hatte Angela Merkel versprochen, sie wolle Ende März mit den Ländern ein Integrationskonzept beschließen. Passiert ist bisher wenig. Auf Betreiben des Kanzleramts und der CDU-geführten Länder wurde die Entscheidung vertagt.