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Kommentar: Die Welt schaut auf Hillary Clinton

Hillary Clinton

Muss wohl gegen Donald Trump um das Präsidentenamt kämpfen: Hillary Clinton.

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dpa

Das Rennen ums Weiße Haus wird zwischen Donald Trump und Hillary Clinton entschieden – das ist nach diesem Super Tuesday  so gut wie sicher. Zwar hatten die Gemäßigten unter den US-Republikanern und besorgte Beobachter aus Europa, ja aus der ganzen Welt bis zuletzt gehofft, dass sich irgendwann in diesem bizarren Vorwahlkampf doch noch die Vernunft durchsetzen möge. Doch Donald Trump, Stimmungspolitiker, Multimilliardär, unberechenbarer Populist und Demagoge, hat auch diesmal wieder überraschend viele Amerikaner hinter sich versammelt.

Trump setzt in seiner Kampagne erfolgreich alles auf eine Karte – die der Politikverachtung. Die Wut auf die Politik schürt er weiter, hieraus nährt er seinen Aufstieg. Wo immer er auftritt, was immer er sagt – Trump knüpft an das Gefühl vieler Amerikaner, die US-Politik sei disfunktional, korrupt, unehrlich, uneffektiv, selbstbezogen, egoistisch, inkompetent, weit weg von den eigentlichen Sorgen  der Menschen. Trump nutzt die Enttäuschung und  Entfremdung  von „denen da oben in Washington“ für seinen Siegeszug. Er münzt diese Enttäuschung um in Hass gegen das Establishment und in Sympathie für sich selbst, den Antipolitiker.

Trumps Motto: Make America great again – Amerika wieder groß(artig) machen – verspricht vielen eine simple Antwort. Der vom Erfolg verwöhnte Immobilienmagnat hat erkannt, dass die amerikanische Gesellschaft eine zutiefst verunsicherte ist. Die verlorenen Kriege und die Terrorattacken der vergangenen Jahre, der Bedeutungsverlust der Nation durch die neue Außenpolitik Obamas und die immer noch spürbaren Folgen der Finanzkrise, die selbst die weiße Mittelschicht im Kern erfasste und bedrohte, haben Spuren der Angst gezogen. Es sind die Zukurzgekommenen, die Vernachlässigten und Vergessenen, die Absteiger; es sind aber auch die gerade noch in der Mittelschicht Gesicherten, die um Wohlstand und Sicherheit fürchten – Trump antwortet ihnen mit seiner Politik der Wut und seinem Versprechen neuer Stärke.

Die Republikaner haben ihre Chance verpasst

Die Republikanische Partei hat Trump mit seinem Populismus viel zu lange laufen lassen. Sie hat ihn zuerst unterschätzt, dann still toleriert und gelegentlich sogar unterstützt, solange es Präsident Obama und dessen liberale Regierung schwächte und  erfolgreich gegen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton  ging. Die Chance, den Antipolitiker Trump anzugreifen, zu entlarven, zu stoppen, haben die Republikaner vor Monaten verpasst.
Jetzt steht die Partei vor den Trümmern ihrer Ignoranz. Ein unpolitischer, rassistischer, außenpolitisch unberechenbarer Egomane zerlegt gerade die Grand Old Party, die – so konservativ sie auch in Teilen sein mag – doch fest an die Demokratie und die amerikanischen Werte glaubt. Trump aber ist kein Mann der Partei und der Loyalitäten, er lässt sich nicht einbinden in Parteidisziplin. Die kleine Hoffnung des Establishments, der Multimilliardär werde auf dem Parteitag am Ende doch nicht genug Delegierte um sich scharen, dürfte scheitern: Längst sind die Republikaner tief zerstritten, und der Geruch des Sieges, der Trump umweht, dürfte viele locken. Und warum sollten sie Kopien nehmen, wenn das Original zur Nominierung steht? Zu schwach sind Trumps letzte Kontrahenten, Marco Rubio und Ted Cruz. Zumal: Gegen eine derart breite Unterstützung in diesem  großen Land, gegen diesen  Erfolg, den sich Trump erarbeitet hat, kann sich die Partei nicht ernsthaft stemmen, ohne den Verdacht des Wählerbetrugs ertragen zu müssen.

Auf Clinton aber, der die Nominierung nach diesem Dienstag nicht mehr zu nehmen ist, lasten riesige Erwartungen. Nicht nur die der Demokraten. Still und heimlich stehen nun sicher auch viele gemäßigte Republikaner hinter ihr. Die ganze Welt, und das ist nicht übertrieben, die ganze Welt von Europa über die arabischen Länder, Lateinamerika, Asien und gewiss auch Russland  schaut auf Clinton und hofft, die erfahrene Diplomatin möge Präsidentin werden und die Verlässlichkeit der US-Politik in dieser von gewaltigen Krisen belasteten Zeit garantieren.

Doch bis dahin hat Clinton noch einen langen Weg vor sich. Sie steht wie kaum jemand sonst  im Ruf,  weit weg von den Menschen zu sein, zum Washingtoner Klüngel zu gehören und mit dem Geldadel verbandelt zu sein. Der Erfolg nicht nur Trumps, sondern auch ihres Rivalen Bernie Sanders zeigt, wie sehr sich viele Amerikaner nach Ausgleich und Gerechtigkeit sehnen. Hillary Clinton kann die Wahl nur gewinnen, wenn sie jetzt die soziale Frage in Amerika stellt und beantwortet.



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