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Kommentar zum Zugunglück: Riesige Verantwortung verdient auch größtmöglichen Respekt

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Rettungskräfte am Unglücksort nahe Bad Aibling.

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AP

Seit Dienstag wissen wir: Ein Mensch hat versagt in Bad Aibling. Ein einzelner Fahrdienstleiter ist verantwortlich für den Tod von elf Menschen. Kann man sich noch sicher fühlen in deutschen Zügen?

Man muss. Es gibt keine Möglichkeit, sich vor solchen Unglücken zu schützen. Wer in der Vorstellung lebt, irgendetwas oder irgendjemand könne einen vor solchen Ereignissen bewahren, der muss in dieser Welt enttäuscht werden.

Jetzt rufen viele nach mehr Technik. Warum konnte der Fehler des Fahrdienstleiters nicht durch ein System korrigiert werden? Das ist umso seltsamer, als dass der Fahrdienstleiter, nach allem, was wir bislang wissen, ja mit seiner Handlung eine Unzulänglichkeit der Technik ausgeglichen hat. Technik, die durch Menschen korrigiert wird, soll - ist sie fehlerhaft - wieder durch Technik korrigiert werden?

Wir sind auf der Suche nach Sicherheit und schaffen es doch nicht, die Unzulänglichkeiten unserer immer schneller werdenden Welt auszugleichen.

Den Angehörigen hilft das nicht. Sie sind in ihrem Schmerz und ihrer Ohnmacht natürlich auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: Warum? Und: Hätte das nicht verhindert werden können?

So betroffen ein solches Unglück macht - es ist eine Ausnahme. Angesichts von tausenden Zügen, tausenden Flugzeugen und hunderttausenden Autos, die jeden Tag durchs Land rasen, passiert extrem wenig. Warum? Weil wir offenbar technische Systeme haben, die funktionieren. Und vor allem, weil wir Menschen sind, die verantwortungsvoll Regeln einhalten.

Was lernen wir aus Bad Aibling und anderen derartigen Unglücken? Dass natürlich niemals Geld oder Effizienz verhindern dürfen, dass die höchstmögliche Sicherheitstechnik entwickelt und eingesetzt wird. Aber vor allem, dass wir vor Menschen wie dem Fahrdienstleiter in Bad Aibling, der eine solch riesige Verantwortung trägt, den größtmöglichen Respekt haben sollten.