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Warum es richtig ist, dass Tegel schließen muss

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Der Flughafen Tegel - die einen lieben ihn, die anderen finden er sollte weg.

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imago/Jürgen Ritter

Eigentlich ist die Sache ganz einfach: In dicht besiedelten Stadtgebieten haben Flughäfen nichts zu suchen. Sie sind der falsche Standort für Anlagen, die im weiten Umkreis Menschen gesundheitsgefährdend mit Lärm belasten und ein stets latentes Katastrophenrisiko darstellen.

Deshalb ist es richtig, dass der Senat daran festhält, dass der Flughafen Tegel stillgelegt wird - sechs Monate nach der Freigabe der BER-Startbahnen, voraussichtlich im Herbst 2018.

Zum Glück stehen die Chancen gut, dass auch das Volksbegehren zum Weiterbetrieb des Flughafens nichts daran ändern wird. Zwar kommen die FDP und ihre Mitstreiter mit der Unterschriftensammlung gut voran. Denn es gibt viele Berliner, die Tegel trotz der Enge, der veralteten Technik und des von Touristen oft kritisierten Durcheinanders lieben - zum Beispiel, weil er in ihrem Leben als West-Berliner eine wichtige Rolle gespielt hat, oder weil ihnen die Fahrt nach Schönefeld zuwider ist.

Doch es ist ein Unterschied, ob man 20.000 oder (wie in der nächsten Stufe des Plebiszits) 175.000 gültige Unterschriften im Kasten haben muss. Ein existenzielles Thema ist Tegel nicht.

Von anderen Parteien als der FDP haben die Tegel-Fans keine Unterstützung zu erwarten, auch nicht von der CDU. Dass die Debatte möglicherweise trotzdem noch einmal aufflammen wird, wird nur an anderen Akteuren liegen. Anders als beim Land Berlin gibt es bei den anderen Flughafengesellschaftern leise Skepsis, ob es richtig wäre, Tegel für alle Nutzungen zu schließen.

Man hört von Überlegungen, Business Jets und Regierungsflugzeuge dort weiterhin starten zu lassen - damit der BER entlastet wird. Und manch einem im Protokollbereich des Bundes graust offenbar davor, Staatsgäste auf überlasteten Straßen viele Kilometer weit nach Schönefeld zu leiten.

Doch wird das den Flughafen Tegel retten? Wohl nicht. Gewöhnen wir uns daran, dass es ihn künftig nicht mehr geben wird.