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Migrationsbericht 2014 : Zuwanderung in Deutschland so hoch wie seit 1950 nicht mehr

Innenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Migrationsberichtes 2014.

Innenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Migrationsberichtes 2014.

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AP

Berlin -

Eines ist klar: Deutschland ist für Migranten mittlerweile eines der begehrtesten Länder innerhalb der Europäischen Union. „Für 2015 werden wir die höchsten Zuwanderungszahlen seit 1950 verzeichnen“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Migrationsberichts für das Jahr 2014.

Die Zahl der Zuzüge nach Deutschland stieg demnach auf mehr als 1,46 Millionen. So viele waren es zuletzt 1992, also vor mehr als zwei Jahrzehnten. Es wanderten zwar auch mehr Menschen ab – genau: über 900 000. Unterm Strich ergab sich jedoch ein „Wanderungsgewinn“ von rund 550.000 Menschen. Endgültige Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

Sieht man von dem Gesamtbefund ab, ist das Bild durchaus differenziert. Zuwanderung ist nicht gleich Zuwanderung. Und es gibt aus Sicht der Regierung erwünschte und unerwünschte Migranten.

Die größte Gruppe bilden die Flüchtlinge. 2015 wurden fast 1,1 Millionen Asylsuchende in Deutschland aufgenommen – so viele wie nie zuvor. De Maizière relativierte, es gebe Flüchtlinge, die doppelt registriert worden seien, und andere, die weiterzögen, beispielsweise nach Skandinavien. Tatsächlich werde die Gesamtzahl deshalb voraussichtlich unter einer Million liegen. Doch auch dann sei sie definitiv zu hoch. Die Zahl der Flüchtlinge müsse darum nachhaltig verringert werden. Im Übrigen müsse sich Deutschland entschlossen der Integration jener Asylsuchenden zuwenden, die eine Bleibeperspektive hätten.

Hochqualifizierte willkommen

Der Anteil der Balkan-Flüchtlinge ist übrigens von 40 auf zwei Prozent zurückgegangen. Die meisten Flüchtlinge kommen derzeit aus Syrien (40 Prozent), Afghanistan (14 Prozent) und Irak (11 Prozent). Dabei wurden im Dezember im Schnitt nur noch 3300 Flüchtlinge pro Tag gezählt, erläuterte der Minister. Dies sei aber in erster Linie dem schlechten Wetter geschuldet. „Ein besonderer Anlass zur Sorge“ sei zudem, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Algerien und Marokko stark wachse. Vergleichsweise unproblematisch sei wiederum der Familiennachzug gewesen. 2014 kamen auf diese Weise 64 000 Menschen zu uns.

Legt man allein die Zahlen des Jahres 2014 zugrunde, als der Flüchtlingsstrom noch wesentlich kleiner war, zogen die meisten Zuwanderer aus anderen EU-Staaten und hiervon wiederum vorrangig aus Bulgarien, Polen und Bulgarien nach Deutschland; unterm Strich waren es etwa 60 Prozent. Viele von ihnen blieben indes nicht dauerhaft, sondern gingen auch wieder – um später erneut nach Deutschland einzuwandern. Dazu gesellten sich viele ausländische Studenten; 2014 waren es immerhin 322000.

Den geringsten Anteil unter den Zuwanderern machten im vorletzten Jahr Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Staaten aus – Menschen mithin, die lediglich unter bestimmten Voraussetzungen kommen dürfen, vornehmlich, wenn sie einen einigermaßen gut dotierten Job vorweisen können. Es seien bloß 40.000 gewesen, sagte der CDU-Politiker. Von daher gebe es aus seiner Sicht auch keinen Bedarf für ein Zuwanderungsgesetz, das vor Monaten sowohl CDU-Generalsekretär Peter Tauber als auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann ins Gespräch gebracht hatten.

Das Ziel des Ministers für 2016 ist gleichwohl offensichtlich. Er begrüßt qualifizierte Zuwanderer, sieht aber Zuwanderer, die in Deutschland auf Sozialleistungen spekulieren, ebenso ungern wie anhaltend hohe Flüchtlingszahlen. Ob es der Bundesregierung gelingen wird, Letztere spürbar zu senken, ist die zentrale Frage des neuen Jahres und wird im übernächsten Migrationsbericht stehen.