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Millionenschaden beim BND: Ermittler vermuten Sabotageakt hinter dem Wasserschaden

Die neue BND-Zentrale in Berlin-Mitte.

Die neue BND-Zentrale in Berlin-Mitte.

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dpa

Die zuständigen Behörden mauern. Das Bundeskanzleramt, dem der Bundesnachrichtendienst untersteht, verweist an den BND. Dieser wiederum verweist an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das für das Bauprojekt zuständig ist. Aber bis zum späten Donnerstagabend wollte sich diese Behörde weder zur Schadenshöhe noch zu anderen Details äußern.

Schließlich teilte eine Sprecherin mit, auf der Baustelle seien im vierten bis sechsten Stockwerk fünf Wasserhähne in Putzmittelräumen der Bürobereiche abgebaut worden. Rund zehn Kubikmeter Wasser seien ausgetreten. Zurzeit würden die sichtbaren Schäden aufgenommen und die notwendigen technischen Untersuchungen veranlasst.

Videos werden ausgewertet

Wie berichtet, war die Polizei am Dienstag zu dem Neubau an der Chausseestraße in Mitte gerufen worden. Weil in den oberen Etagen die Wasserhähne fehlten, hatten sich große Wassermengen in das Haus ergossen. Polizisten sprechen von einem Millionenschaden.

Inzwischen übernahm die Abteilung 12 des Landeskriminalamtes die Ermittlungen. Sie ist zuständig für Brandstiftungen, Explosionen und Gefährdungsdelikte. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Polizeisprecher. Am Donnerstag begutachteten erneut Ermittler das beschädigte Gebäude. Gerüchte über eine technische Panne, wonach die Wasserleitungen durchgespült wurden und man nur nicht beachtet hatte, dass die Hähne nicht montiert waren, hielten die Ermittler für unwahrscheinlich.

Sie vermuteten vielmehr, dass die Wasserhähne mutwillig entfernt wurden. „Den Tätern ging es vor allem darum, Schaden anzurichten“, sagt ein Ermittler.

Auch Mitarbeiter der Kriminaltechnik sollen am Donnerstag erneut vor Ort gewesen sein, um das Gebäude auf Einbruchsspuren zu untersuchen. Sie fanden nichts. Deshalb geht die Polizei davon aus, dass der oder die Täter eine Genehmigung hatten, die Baustelle zu betreten. Derzeit würden die Videoaufnahmen ausgewertet, hieß es. Die Hochsicherheits-Baustelle wird flächendeckend videoüberwacht. Meldungen, wonach Zeugen zwei wasserüberströmte Personen auf dem Gelände gesehen haben, bestätigte die Polizei nicht. Derzeit versucht die Polizei herauszufinden, welche Firmen und Mitarbeiter Zutritt zu dem Gebäude haben. Auf der Großbaustelle arbeiten über 1000 Gewerke.

Von dem Schaden ist offenbar nicht der Sicherheitsbereich betroffen, in dem unter anderem der Lagedienst untergebracht werden soll. Das Wasser verwüstete einen Bürotrakt im nördlichen Teil des Gebäudekomplexes. Gleichwohl floss es in Zwischendecken zwischen Kabelbäume und Türschließelektrik, es überflutete neues Parkett.

Während die Behörden sich bedeckt geben, wird kräftig spekuliert. Die Polizei selbst hält es für möglich, dass sie es mit linksextremistischer Sabotage zu tun hat. Überflutete Rohbauten gab es schon öfter, als Gentrifizierungsgegner gegen neue teure Wohnungen protestierten. Jedoch fehlt bislang ein Bekennerschreiben. Vielleicht waren es auch geprellte Handwerker, die ihre Armaturen einfach wieder mitnahmen. Viele Firmen klagen über die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand. Andere vermuten fremde Geheimdienste am Werk. Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, twitterte: „Wenn Wasserhähne unbemerkt abgebaut werden können, fragt sich, was so alles unbemerkt eingebaut werden kann.“

Sein Abgeordneten-Kollege Christian Ströbele, der im Parlamentarischen Kontrollgremium für die Geheimdienste sitzt, fordert gegenüber der Nachrichtenagentur AFP eine umfassende Untersuchung des Schadens. Schließlich sei die künftige Geheimdienstzentrale nicht irgendein Gebäude. „Da sind der Fantasie Tür und Tor geöffnet.“

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