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Mit Drogen erwischt: Volker Beck legt alle Ämter nieder

Volker Beck

Volker Beck

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dpa

Berlin -

Der innenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, ist am Dienstagabend in Berlin-Schöneberg mit Drogen erwischt worden und legte als Reaktion darauf alle seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Fraktion sowie als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe nieder.

Beck zeigt sich kooperativ

Wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, dieser Zeitung mitteilte, wurde der Politiker gegen 23 Uhr von Polizeibeamten in der Nähe des Nollendorfplatzes in Berlin-Schöneberg kontrolliert.

Man fand 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelsuspekten Substanz“, wie Steltner sich ausdrückte – dem Vernehmen nach könnte es sich um Crystal Meth handeln. Nach der Feststellung seiner Personalien konnte Beck wieder gehen. Es heißt, er sei kooperativ gewesen. Nun wird untersucht, um welche Substanz es geht und was daraus folgt.

Der 55-jährige Beck gab unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht eine persönliche Erklärung ab. Darin schreibt er: „Hiermit stelle ich meine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher meiner Fraktion und  Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, die mir die Fraktion verliehen hat, der Fraktion zur Verfügung. Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten. Zu den gegen mich erhobenen Vorwürfen wird mein Anwalt zu gegebener Zeit eine Erklärung gegenüber der Staatsanwaltschaft abgeben. Ich werde mich dazu öffentlich nicht einlassen.“

Crystal Meth ist eine schnell süchtige machende Substanz, die unter anderem sexuell stimulierend wirkt und den Körper massiv angreift. Zuletzt war der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann damit ertappt worden. Er war wie Beck ebenfalls innenpolitischer Sprecher und legte sein Amt damals ebenfalls nieder. In das Ressort fällt auch die Drogenpolitik.

Linke verteidigt Beck

Bei den Grünen gab es gestern zunächst keine offiziellen Reaktionen auf den Fall. Inoffiziell wurde die Nachricht mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Beck ist seit Jahren eines der bekanntesten Gesichter der Partei und war lange Zeit Parlamentarischer Geschäftsführer. Erst im vorigen Jahr erhielt er den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland für sein Engagement gegen den Antisemitismus. Beck engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Frank Tempel, verteidigte Beck. „Strafrechtlich ist das eine klare Sache“, sagte er dieser Zeitung. „Besitz und Erwerb von Betäubungsmitteln ist strafbar. Häufig werden die Ermittlungen allerdings eingestellt wegen geringer Mengen.“

Tempel fügte mit Blick auf den grünen Kollegen hinzu: „Hier geht es ausschließlich um eine Selbstschädigung. Man muss sich fragen, ob es richtig ist, darauf mit Polizei und Staatsanwaltschaft und nicht mit Hilfsangeboten zu antworten.“


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