21.02.2012

Nach Wulff-Abgang : Gauck bereitet sich leise auf das höchste Amt vor

Von Holger Schmale
Hand in Hand: Daniela Schadt und Joachim Gauck.
Hand in Hand: Daniela Schadt und Joachim Gauck.
Foto: Getty Images

Aus der öffentlichen Person Joachim Gauck ist erst einmal eine verschwiegene geworden. Seit seiner Nominierung zum Bundespräsidenten am Sonntag ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden. Keine Interviews, keine Auftritte, lautet die Devise.

Doch das heißt nicht, dass Gauck derzeit nichts tut. Im Gegenteil: Er ist intensiv damit beschäftigt, sich auf sein neues Amt vorzubereiten. Das bedeutet zunächst einmal, eine Infrastruktur zu schaffen, mit der er seine Arbeit in den knapp vier Wochen bis zur Wahl in der Bundesversammlung organisieren kann. Dabei helfen ihm Vertraute, mit denen er schon in der Vergangenheit, vor allem während seiner Zeit als Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, zusammengearbeitet hat.

Hilfe von alten Vertrauten

Dazu zählt David Gill, einst Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Auflösung der Staatssicherheit und später einer seiner Pressesprecher und Vertrauten. Niemand würde es wundern, wenn der heutige Oberkirchenrat seinen Posten als stellvertretender Bevollmächtigter bei der Evangelischen Kirche Deutschlands aufgeben und mit Gauck ins Schloss Bellevue ziehen würde. Auch bei der Initiative gegen Vergessen, deren Vorsitzender Gauck ist, gibt es Zuarbeiter für den Kandidaten. Zudem stellen die Grünen wie 2010 bei der ersten Kandidatur ihren einstigen Berliner Pressesprecher Alexander Schulze zur Medienbetreuung für Gauck ab.

Wie es sich für einen gut funktionierenden Beamtenapparat in der Demokratie gehört, arbeitet auch das Präsidialamt dem neuen, wenn auch noch nicht gewählten Staatsoberhaupt bereits diskret zu. Es gebe vielfältige Kontakte auf den verschiedensten Ebenen, heißt es dazu aus dem Amt, über die aber selbstverständlich nichts Näheres mitgeteilt werde.

Joachim Gauck - der zweite Anlauf

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Alle Fäden für den Wechsel laufen beim Chef des Präsidialamtes Lothar Hagebölling zusammen, den Christian Wulff als Vertrauten aus Hannover zu seinem Staatssekretär berufen hatte. Es ist denkbar, dass Gauck den erfahrenen Spitzenbeamten erst einmal auf seinem Posten belässt. Gleiches könnte für die Pressesprecherin Petra Diroll gelten, die mit Wulff bereits den zweiten Präsidenten als Chef verloren hat.

In diesen Tagen hat das Amt auch noch alle Hände mit der Organisation der Trauerfeier für die Opfer der Neonazi-Morde am Donnerstag zu tun, die Wulff an sich gezogen hatte. Und es gibt Absagen für Termine, die Wulff angenommen hatte: Zum Beispiel die Eröffnung des Neubaus des Städel Museums. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, derzeit amtierendes Staatsoberhaupt, zieht es vor, den politischen Aschermittwoch der CSU in Passau zu beehren. Auch die Ende des Monats geplante Afrikareise ist abgesagt, wie schon nach dem Rücktritt Horst Köhlers vor zwei Jahren. Und wieder hat Burkina Faso das Nachsehen.

Gedanken über Privatleben

Gauck aber muss sich auch noch Gedanken über sein Privatleben machen. Denn der 72-jährige ist seit zwölf Jahren mit Daniela Schadt liiert, aber auch noch mit seiner ersten Frau Gerhild verheiratet. Während das Protokoll des Präsidialamtes mit dieser Konstellation kein Problem hat, stören sich konservative Zeitgenossen wie der CSU-Abgeordnete Norbert Geis durchaus daran. Er forderte Gauck auf, „seine persönlichen Lebensverhältnisse so schnell als möglich zu ordnen“.

Dies löste unmittelbar Widerworte anderenorts aus. „Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: halt den Mund“, sagte Dieter Wiefelspütz (SPD). Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wies die Bemerkungen von Geis als stillos zurück. Deutschland sei ein modernes Land. Gauck hatte sich zu dem Problem bereits 2010 geäußert: „Eine schnelle Heirat schließe ich aus, eine spätere nicht unbedingt“.

Die Bild-Zeitung hat indes jenen Zeitgenossen entdeckt, der als erster außerhalb des Kanzleramtes von der Nominierung Gaucks erfahren hat. Der Taxifahrer Vadim Belon chauffierte ihn am Sonntagabend vom Flughafen Tegel Richtung Schöneberg, als die Kanzlerin sich auf dessen Handy meldete. Ganz diskreter Droschkenkutscher lauschte Belon fast gar nicht, merkte sich aber den abschließenden Satz: „Okay. ich bin einverstanden. Ich mache das.“ Worum es ging, enthüllte Gauck dann selber: „Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten. Wir müssen die Richtung ändern und direkt zum Bundeskanzleramt fahren.“

Lesen Sie auch den Blogeintrag "Gaucken hat eine neue Dimension" unserer Autorin Abini Zöllner, indem sie erläutert, welche Herausforderungen schon jetzt auf den Kandidaten warten.

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