05.01.2012

Nach Wulff-Interview: Wulff sperrt sich gegen Anruf-Veröffentlichung

Von Holger Schmale
Bundespräsident Wulff will nicht, dass seine Nachricht auf der Mailbox von Bild-Chefredakteur Diekmann veröffentlicht wird.
Bundespräsident Wulff will nicht, dass seine Nachricht auf der Mailbox von Bild-Chefredakteur Diekmann veröffentlicht wird.
Foto: Getty Images
Berlin –  

Nach dem Fernsehinterview von Christian Wulff bleiben Zweifel an der Wahrheit seiner Aussagen. Die "Bild"-Zeitung widerspricht der Darstellung des Bundespräsidenten - und will die umstrittene Mailbox-Nachricht veröffentlichen. Doch das lehnt Wulff nun ab.

Christian Wulffs Versuch, mit einem Fernsehinterview die Debatte um seine Amtsführung als Bundespräsident zu beenden, ist fehlgeschlagen. Am Donnerstag tauchten neue Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit auf. Die Opposition verschärfte ihre Kritik am Staatsoberhaupt.

Die Bild-Zeitung widersprach „mit Verwunderung“ Wulffs Darstellung, er habe mit dem Anruf bei ihrem Chefredakteur Kai Diekmann den Bericht über seinen Privatkredit lediglich um einen Tag hinausschieben wollen. „Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden“, sagte der stellvertretende Bild-Chef Nikolaus Blome über die umstrittene Nachricht auf Diekmanns Mailbox.

Reaktionen auf Wulff-Interview
Patrick Döring

Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring sieht im Streit um den Drohanruf von Bundespräsident Christian Wulff bei der „Bild“-Zeitung weiter Klärungsbedarf. „Das müssen die beiden unter sich ausmachen und an dieser Stelle dann eben auch eine gleichlautende Deutung der Öffentlichkeit präsentieren“, sagte Döring am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Döring betonte, Wulff habe am Mittwoch eine sehr persönliche Erklärung gegeben und sich für sein Verhalten gegenüber den Medien entschuldigt. „Beides trägt auch dazu bei, die Wogen zu glätten."

Wulff wies den von Bild-Chef Diekmann geäußerten Wunsch zurück, den Wortlaut seines Anrufs zu veröffentlichen, um die Unstimmigkeiten über dessen Interpretation auszuräumen. „Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich für Sie und für sonst niemanden bestimmt“, schrieb Wulff an Diekmann. „Ich habe mich Ihnen gegenüber kurz darauf persönlich entschuldigt. Sie haben diese Entschuldigung dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben.“

Bundespräsident Wulff im TV-Interview (04.01.2012).
Bundespräsident Wulff im TV-Interview (04.01.2012).
Foto: dpa

Die SPD nahm diese Haltung zum Anlass für äußerst scharfe Kritik. „Christian Wulff tut nichts, um die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften“, sagte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. „Ob er gelogen hat oder nicht, kann nur eine Veröffentlichung der Mailbox beweisen.“

Er habe kein Verständnis dafür, dass Wulff am Mittwochabend Transparenz angekündigt habe und tags darauf die erste Chance dafür verstreichen lasse. „Wenn Frau Merkel ein Interesse hat, dieses scheinheilige Schauspiel zu beenden, dann sollte sie Christian Wulff davon überzeugen, der Veröffentlichung zuzustimmen.“ Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast kritisierte, Wulff habe nur über seine Gefühle geredet, aber keine der Fragen beantwortet, die das Land beschäftigten.

Unsere Präsidenten - warum sie gingen

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Während die Kanzlerin am Donnerstag weiter zu den Vorgängen um den Bundespräsidenten schwieg, forderte die Union, die Attacken auf Wulff einzustellen. „Die Opposition treibt ein schäbiges Spiel. Sie versucht, die Debatte künstlich zu verlängern, um politisches Kapital daraus zu schlagen“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Das müsse schleunigst aufhören. Die Opposition sollte akzeptieren, dass Transparenz geschaffen, Fehler eingeräumt worden seien und Wulff um Entschuldigung gebeten habe. Gröhe bezeichnete Wulffs Auftritt im Fernsehen als überzeugend und menschlich nachvollziehbar.

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte, der Bundespräsident habe sich „sehr ausführlich geäußert und auch sein Bedauern ausgedrückt“. Sie sei sicher, dass er das Vertrauen der Bevölkerung wiedergewinnen könne. Man müsse doch sehen, „was in einem vorgeht, der so eine Entwicklung durchlebt“ wie Wulff in den letzten Wochen. Ein führender CSU-Politiker sagte, Wulff habe „Steherqualität“ und werde schon deshalb nicht zurücktreten. „Klar ist aber: Sein Wort hat kein Gewicht mehr.“

Am Donnerstag veröffentlichten Wulffs Anwälte eine zusammenfassende Stellungnahme zu Medienanfragen an den Bundespräsidenten, bei denen es in den vergangenen Wochen unter anderem um den Privatkredit sowie Urlaubsaufenthalte des Ehepaars Wulff bei befreundeten Unternehmern ging. Rechtsverstöße habe man nicht festgestellt, „Tatbestände der Vorteilsnahme oder Vorteilsgewährung haben sich nicht ergeben“, heißt in der Stellungnahme der Rechtsanwälte, die von Wulff privat bezahlt werden. (mit vat.)

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