11.01.2012

Nahost-Konflikt: Beschimpfungen im Internet

Von Bat-El Alon und Katharina Sperber
        

Arabische und jüdische Kinder im Kindergarten Ein Bustan
Arabische und jüdische Kinder im Kindergarten Ein Bustan
Foto: Privat

Deutsche unterstützen in Israel einen jüdisch-arabischen Waldorfkindergarten, als Gegenentwurf zu den hasserfüllten Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Dafür werden sie heftig angefeindet.

Tu Gutes und rede darüber. Das ist die goldene Regel aller Wohltätigkeit. Irena Wachendorff kennt sie und wirbt seit langem für die Unterstützung des jüdisch-arabischen Waldorfkindergartens Ein Bustan in Israel. Sie ist der Einrichtung zugetan, weil sie darin einen Gegenentwurf zu den hasserfüllten, oft blutigen Auseinandersetzungen in Nahost sieht.

Die Musiklehrerin und Lyrikerin aus dem rheinland-pfälzischen Remagen gibt privat Benefizkonzerte, deren Ertrag sie an den Kindergarten spendet. Versöhnen, statt spalten, darin sieht Wachendorff das Zukunftsmodell. Nicht jeder teilt diese Ansicht. Das wäre noch kein Grund zur Aufregung, wenn die Kritik in sachlichem Ton daherkäme. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, sie ist unflätig, voll persönlicher Beleidigungen und der Chor der Hetzer im Internet schwillt an.

Friedvolles Miteinander

Ein Bustan ist der erste jüdisch-arabische Kindergarten in Israel. Die 35 Kinder kommen aus der jüdischen Stadt
Kiryat Tivon und den benachbarten arabischen Dörfern Hilf und Bosmat Tab’un. Die Erzieher arbeiten nach den Prinzipien der Waldorfpädagogik und folgen der Vision, dass Juden und Araber friedvoll und gleichberechtigt im Verständnis füreinander leben. Die Kinder werden zweisprachig unterrichtet.
2005 wurde der Kindergarten gegründet, 15 Jungen und Mädchen besuchten ihn. Geplant ist auch die Gründung einer zweisprachigen Waldorfschule.

Polenz wird beschimpft

Seit Wochen werden Irena Wachendorff und ihre Unterstützer, zu denen der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz zählt, auf Facebook und in allerlei Blogs beschimpft und des Betrugs bezichtigt. Zweimal erhielt die Musiklehrerin anonyme Anrufe, in denen ihr geraten wurde, sich aufzuhängen, ehe die Jewish Defence League (JDL) bei ihr auftauche. Die JDL ist eine extremistische jüdische Vereinigung, die in den USA wegen Terrorverdachts vom FBI beobachtet wird.

Der Mediziner Adam P. aus Frankfurt am Main forderte Wachendorff auf Facebook auf, nachzuweisen, dass sie Jüdin sei. Sie unterstütze die islamistische Hamas und sei eine „das Leben von Juden gefährdende Hochstaplerin“, behauptet er. Diese Anwürfe brachten ihm eine Anzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede ein. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt. In einem Telefonat mit der Berliner Zeitung wiederholte der Mediziner, Wachendorff behaupte Jüdin zu sein, „kann es aber nicht beweisen“. Und legte dann auf.

Ruprecht Polenz glaubt, dass Adam P. mit seiner Forderung Irena Wachendorffs Glaubwürdigkeit untergraben will. In der Vergangenheit hatte Wachendorff Polenz häufig verteidigt, wenn der Politiker wegen Kritik an der israelischen Regierung angefeindet worden war. Im Januar vergangenen Jahres hatte die Musiklehrerin und sechs Mitstreiter den Verein „Ein Bustan Deutschland“ gegründet, mit dessen Hilfe Geld für den Kindergarten gesammelt werden soll. Noch hat der Verein keinen Cent Spenden eingeworben, da er bislang in keinem Vereinsregister eingetragen ist. Die lange Frist zwischen Gründung und Eintrag erklärt Wachendorff mit einer schweren Krankheit. Inzwischen sei der Verein notariell beurkundet und der Eintrag ins Register beantragt.

Konzerte unter Polizeischutz

Als im November Musiker des WDR-Symphonieorchesters ein Benefiz-Konzert in einer Bonner Kirche für Ein Bustan geben wollten, brach im Netz ein Sturm der Entrüstung über Irena Wachendorff herein. Zwei Frauen aus München, Mutter und Tochter, Gabriele und Jennifer P., taten sich besonders hervor. Von ihrer Telefonnummer aus rief jemand, der sich „Frau Mahlzahn“ nannte, beim Orchesterleiter an und warnte vor angeblich kriminellen Machenschaften der Kindergarten-Freunde. Das Konzert konnten sie nicht verhindern: Es fand unter Polizeischutz und der Schirmherrschaft des einstigen deutschen Botschafters in Israel, Rudolf Dreßler, am 27. November statt. Die erzielten Spenden liegen seither beim Pfarrer der Kirche, in der die Musiker gespielt hatten. Der Verein erhält das Geld erst, wenn dessen Gemeinnützigkeit anerkannt ist.

Auf Anfragen der Redaktion per Telefon und Mail reagierten die Frauen nicht. Der Anwalt der Musiklehrerin zeigt sich geschockt über die weiter anschwellende Flut von persönlichen Angriffen auf seine Mandantin.

Ruprecht Polenz kennt das. Eine der Münchnerinnen hatte auf Facebook öffentlich überlegt, ihm eine „antisemitische Affaire“ anzudichten. Die schnelle und ungeprüfte Ausbreitung von Behauptungen und Angriffen im Netz, nennt Polenz ein „Spiel mit den Feuer“. Dagegen helfe nur Transparenz und Öffentlichkeit.

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