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Nationalistische Liederabende: Zahl rechtsextremer Konzerte nimmt wieder zu

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Der Einlass beim Rechtsrock-Festival „Rock für Deutschland“. (Archivbild)

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dpa

Berlin -

Die Zahl rechtsextremer Konzerte hat 2015 erstmals seit Jahren wieder deutlich zugenommen. Das geht aus Antworten des Bundesinnenministeriums auf mehrere Anfragen der Linksfraktion hervor, die AFP am Donnerstag vorlagen. Demnach fanden im vergangenen Jahr 69 Rechtsrock-Konzerte statt, rund 25 Prozent mehr als 2014. Über diese Entwicklung hatte zuerst die Zeitung „Die Welt“ berichtet.

Auch sogenannte nationalistische Liederabende verzeichneten der Antwort des Ministeriums zufolge in den vergangenen beiden Jahren regen Zulauf. 2014 wie auch 2015 habe es jeweils mehr als 60 solcher Abende gegeben. Diese Veranstaltungen, bei denen im kleineren Kreis völkische Lieder vorgetragen werden, gelten auch als Ausweichveranstaltungen, nachdem die größeren Konzerte unter stärkere Beobachtung gerieten.

Meisten Rechtsrock-Konzerte in Sachsen und Thüringen

Den bisherigen Höchstwert rechtsextremer Konzerte hatte es demnach 2005 mit 193 solcher Veranstaltungen geben. Seither war deren Zahl bis 2014 stetig zurückgegangen. Die meisten Rechtsrock-Konzerte fanden in den zurückliegenden beiden Jahren demnach in Sachsen und Thüringen statt. Die meisten Liederabende gab es in Baden-Württemberg und Thüringen.

Eine Rolle spielten dabei offensichtlich bestimmte Immobilien, auf die Rechtsextreme unkompliziert Zugriff haben, zitierte die „Welt“ den Rechtsextremismus-Experten Jan Raabe. „Es ist unerträglich, dass Rechtsextremisten in Thüringen weiterhin ihre Hassmusik spielen“, sagte der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Stephan Kramer, ebenfalls der „Welt“. Er kündigte an, seine Behörde wolle den Druck auf die Szene erhöhen.

„Geradezu die Einstiegsdroge“

Die Linken-Innenpolitikerin Ulla Jelpke wertete die Zunahme rechtsextremer Musikveranstaltungen als „beunruhigend“. Weiter sagte sie der Nachrichtenagentur AFP: „Verwunderlich ist dieser Anstieg allerdings nicht, denn wir beobachten vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte eine generelle Zunahme rechtsextremer Aktivitäten.“

Von dieser Debatte profitierten „harte Neonazis“ ebenso wie „die rassistische Pegida-Bewegung und die AfD“. Jelpke wies darauf hin, dass gerade Musik „eine wesentliche Rolle in der Bindung junger Menschen an die Naziszene“ spiele. Vielfach sei dies „geradezu die Einstiegsdroge“. Dabei handele es sich vielfach um Liedgut mit offen menschenverachtenden, das Naziregime verherrlichenden oder zu Gewalt gegen Andersdenkende und Migranten aufputschenden Texten. Auch sie sagte, erleichtert würden solche Veranstaltungen durch den in den vergangenen Jahren erfolgten systematischen Aufkauf geeigneter Immobilien durch Rechtsextreme. (afp)


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