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Nazi-Ermittlungen mit Tierarztrechnung: Milbenplage bei rechten Terroristen

Mit Hilfe von Tierarztrechnungen verfolgt die Polizei die Spuren der Zwickauer Terrorzelle.

Mit Hilfe von Tierarztrechnungen verfolgt die Polizei die Spuren der Zwickauer Terrorzelle.

Foto:

dapd

Zwickau -

Zu den Spuren, denen die Ermittler im Fall des Zwickauer Nazi-Trios nachgehen, gehören auch die von Heidi, Lilly und drei Mäusen. Heidi und Lilly waren die Hauskatzen, die Beate Zschäpe am 4. November 2011 bei Nachbarn abgab, nachdem sie die Wohnung in Zwickau angezündet hatte.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung können die Ermittler auch anhand von etwa 30 Tierarztrechnungen rekonstruieren, wo sich Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Zschäpe zwischen 2001 und 2007 aufhielten. In jenem Zeitraum zogen die beiden Männer in Wohnmobilen durch Deutschland und ermordeten Restaurantbetreiber und eine Polizistin. Außerdem verübten sie zahlreiche Banküberfälle.

Zwickau nur für Bluttaten verlassen

Anhand der Tierarztrechnungen lässt sich der Schluss ziehen, dass die drei die meiste Zeit in Zwickau gelebt haben und die Stadt nur für ihre Verbrechen verließen. Außerdem gab es, so die Zeitung, eine „Katzenmutti“, bei der die Tiere abgegeben wurden, wenn das Trio länger unterwegs war. Durch sie erfuhren die Ermittler Details der Lebensgewohnheiten der Terroristen.

Dennoch gibt es weiter Lücken. Das größte Loch klafft zwischen dem Mord an der Polizistin im April 2007 und dem Banküberfall in Arnstadt im September 2011. Zwar wissen die Ermittler, dass Zschäpe damals 21-mal beim Tierarzt war. Aber was machten die Männer in jener Zeit? Dass Zschäpe so häufig beim Tierarzt auftauchte, lag an neuen Mitbewohnern: Sie hatte sich drei Mäuse angeschafft, die mal unter Schnupfen, mal unter Milben litten.

Nazi-Trio verübte Banküberfälle

An Geld mangelte es dem Trio nicht. Insgesamt soll das Trio bei Banküberfällen rund 600.000 Euro erbeutet und mit einem Teil die rechte Szene unterstützt haben.

Davon geht auch die Thüringer Landtagsopposition aus. 20 Personen hätten zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gehört, 140 zum aktiven Umfeld, schätzt Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow. „Innerhalb dieser Strukturen ist sicherlich Geld geflossen“, so Ramelow zur Frankfurter Rundschau.

Mit Verfassungsschutz Katz und Maus gespielt

Er hält es deshalb für einen lächerlichen Versuch, dass der Thüringer Verfassungsschutz vor dem Jahr 2000 versuchte, mit Hilfe von 2.000 Mark an die NSU heranzukommen. „Die haben sich wahrscheinlich schlappgelacht“, sagte Ramelow. „Mit dem Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz haben die doch Katz und Maus gespielt.“ Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe aber ziemlich genau Bescheid gewusst, was in Thüringen und Sachsen lief.