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Nazi-Opfer in Deutschland: Die deutsche Gesellschaft ignoriert Rassismus

Kerzen bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt im Januar in Berlin.

Kerzen bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt im Januar in Berlin.

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dpa

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Frau John, am 8. Mai wird in Deutschland traditionell der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.  Sie kümmern sich gewissermaßen um die Opfer von Hitlers Erben. Wie geht es denen heute in Deutschland?

Von den NSU-Opfern und deren Angehörigen leiden viele noch immer seelisch, materiell und sozial unter den Folgen dieser Taten. Die größte und nachhaltigste Schwierigkeit ist aber, dass sie Sicherheit und Vertrauen in ihr Heimatland Deutschland wiedergewinnen.  Die Zwickauer Terrorzelle wurde ja nur durch Zufall enttarnt, das hat das Sicherheitsgefühl nicht gerade erhöht.  Einige Betroffene werden nach eigenen Angaben wegen ihrer Herkunft weiterhin mit rechtsextremen Parolen behelligt. Kein Wunder, dass sie sich fragen: Ist das mein Land? Gehöre ich wirklich dazu?

Nach Bekanntwerden der NSU und ihrer Taten war das öffentliche Entsetzen groß. Inzwischen ist man zur Tagesordnung übergegangen.  Hat das Wissen über den braunen Terror überhaupt zu einem nachhaltigen Umdenken in Staat und Gesellschaft geführt, was das Verhalten gegenüber möglichen Nazi-Opfern angeht?

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Es fehlen oft noch die Bereitschaft und der Wille, sich der schmerzhaften Tatsache zu stellen, dass es Rechtsradikalität und rassistischen Fremdenhass gibt in Deutschland, dass er in der Gesellschaft lebendig ist – auch in extremer Form.  Ein Beispiel: Auf den Gedenktafeln für die Opfer der NSU, die in den Tatort-Städten entworfen wurden, werden die Attentate als „Morde aus Menschenverachtung“ bezeichnet. Von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ist keine Rede.  Das Problem wird offenbar nicht in aller Klarheit gesehen. Nur, wie will man es dann konkret und wirksam bekämpfen?

Gedenkorte sind wichtig

Sie haben schon früh Gedenkorte für die Opfer des Nazi-Terrors gefordert. Warum sind solche Mahnmale so wichtig? Man könnte ja auch die Ansicht vertreten, das für Erschaffung und Erhalt benötigte Geld wäre in Programmen gegen Rechtsextremismus besser angelegt.

Solche Ereignisse dürfen nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden.  Das wäre die totale Verdrängung nicht nur der Taten, sondern auch der Entwicklungen, die zu diesen Verbrechen geführt haben und sie möglich machten.  Im Fall der NSU-Serie ist das besonders wichtig, weil die öffentliche Wahrnehmung über Jahre in eine ganz andere Richtung ging. Es war ja  immer nur von Ausländerkriminalität die Rede.

Aber die öffentliche Wahrnehmung hat sich doch verändert.

Zugegeben, durch den Suizid der Täter im November und die Gedenkveranstaltung  im Januar gerieten die Zusammenhänge  stärker ins öffentliche Bewusstsein. Doch wenn man bedenkt, dass es sich um die furchtbarste politische Mordserie der Nachkriegszeit handelt, von den Anschlägen der RAF einmal abgesehen,  ist der Nachhall in der deutschen Gesellschaft relativ gering. Diese Gedenktafeln dürfen auch nicht ein Schlussstrich sein, was die Auseinandersetzung mit rechtsextremer Gewalt angeht. Sie müssen ein Anfang sein.

Weiter: Wie die Polizei reformiert werden muss

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