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Neonazis in Sachsen: Justiz ermittelt gegen Neonazi-Gegner

Tätowierungen sind in der Neonazi-Szene als Erkennungszeichen sehr beliebt.

Tätowierungen sind in der Neonazi-Szene als Erkennungszeichen sehr beliebt.

Foto:

dpa

Während Dresden sachsenweit mobil macht gegen einen für Mittwoch geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten in der Landeshauptstadt, geht die Justiz des Freistaats weiter unnachgiebig gegen Nazigegner vor. Weil er das Foto eines mit einem Hakenkreuz tätowierten Fußballers ins Netz gestellt hatte, muss ein Leipziger sich demnächst vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet zu haben. Die Ermittlungen gegen den Fußballer waren dagegen zunächst eingestellt worden.

Im August 2011 waren die Altherren-Mannschaften von Roter Stern Leipzig und Lipsia Eutritzsch in einem Kreisklassespiel aufeinandergetroffen. Nach der Partie, die der traditionell linke Klub Roter Stern mit 7:0 gewonnen hatte, saßen einige der Spieler am Rande des Spielfelds mit Freunden und Verwandten zusammen. Einer der Lipsia-Spieler hatte das Trikot ausgezogen. Auf seinem Oberarm war deutlich eine Tätowierung zu erkennen: Ein Hakenkreuz mit den Initialen W.P., das in der Szene für die rassistische Organisation White Power steht.

Rechte Schläger attackieren Verein

Carsten G., Mannschaftsbetreuer von Roter Stern Leipzig, machte ein Foto des tätowierten Spielers. Er stellte es im Internet auf die Fanseite des Vereins, der schon mehrfach Zielscheibe von Attacken rechter Schläger geworden ist. Als das Rückspiel beider Mannschaften im März letzten Jahres bevorstand, teilte Roter Stern dem Leipziger Fußballverband wie auch dem Gegner Lipsia Eutritzsch schriftlich mit, dass ein Neonazi auf dem Gelände des Vereins unerwünscht sei. Das Schreiben hatte Folgen: Lipsia legte seinem Spieler den Austritt aus dem Verein nahe, der Fußballverband leitete ein Verfahren ein. Und der Fußballer mit dem Hakenkreuz erstattete Strafanzeige gegen Carsten G. – wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts durch die Fotoveröffentlichung und wegen des Zeigens eines Hakenkreuzes im Internet.

„Ideologie angeprangert“

Die Leipziger Staatsanwaltschaft ging mit Eifer der Anzeige nach. G. wurde nach eigenen Angaben fünfmal vorgeladen, am Ende sollte er eine Geldauflage von 250 Euro zahlen. Die Ermittlungen gegen den rechten Fußballer hingegen wurden schon nach kurzer Zeit eingestellt. Die Begründung der Ermittler: Es sei nicht mehr nachzuweisen, dass mehrere Menschen auf dem Fußballplatz waren, als der Spieler seinen Oberarm mit dem Tattoo entblößte. Eine Hakenkreuz-Tätowierung allein sei aber nicht strafbar, sondern nur ihr Zeigen in der Öffentlichkeit.

Carsten G. und sein Anwalt Jürgen Kasek akzeptieren den Strafbefehl nicht. „Mein Mandant hat keinen Rechtsverstoß begangen, mit dem veröffentlichten Foto sollte der Nationalsozialismus ja nicht verherrlicht, sondern die Träger und Verbreiter seiner Ideologie angeprangert werden“, sagt Kasek. Außerdem sei das Foto schon im März 2012 wieder aus dem Netz genommen worden. Bestenfalls würden sein Mandant und er daher beim Tatvorwurf der Persönlichkeitsrechtsverletzung einer Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld zustimmen. Da spielt aber die Leipziger Staatsanwaltschaft nicht mit. Sie will den 47-jährigen G. nun anklagen. Schon in ein paar Wochen könnte es vor dem Amtsgericht zum Prozess kommen.

Die Ermittlungen gegen den rechten Fußballer sind unterdessen wieder aufgenommen worden. Mehrere Zeugen hatten sich gemeldet, die den Spieler und sein Hakenkreuz-Tattoo auf dem Fußballplatz gesehen haben.