Ein Gefährt, mit dem Christian Wulff (hier noch als Ministerpräsident 2010 in Heeslingen) keine Probleme bekommen dürfte. Foto: ddp
Ein Gefährt, mit dem Christian Wulff (hier noch als Ministerpräsident 2010 in Heeslingen) keine Probleme bekommen dürfte. Foto: ddp
Christian Wulff gerät weiter in die Schusslinie: Als Ministerpräsident soll er laut Medienberichten einen Skoda zum Spezialpreis für Aufsichtsräte geleast haben. Neue Vorwürfe gegen Wulff und seine Frau Bettina gibt es auch im Fall des Nord-Süd-Dialogs.
In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff kommen neue Ungereimtheiten ans Licht. Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel hat Wulff als damaliger niedersächsischer Ministerpräsident vom VW-Konzern einen Skoda zum Spezialpreis für Aufsichtsräte erhalten. Für den Skoda hat Wulff, der als Ministerpräsident qua Amt dem VW-Aufsichtsrat angehörte, dem Bericht zufolge nur ein Prozent des Neuwagenpreises als monatliche Leasinggebühr gezahlt. Gewöhnliche Kunden hätten hingegen 1,5 Prozent zahlen müssen. Dies habe einem Vorteil von 1200 Euro innerhalb eines Jahres entsprochen. Laut niedersächsischem Ministergesetz hätte er aber keine Vergünstigungen in Bezug auf sein Amt annehmen dürfen.
„Das Maß ist schon lange voll, es reicht“, sagte Stefan Schostok, Chef der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen, dieser Zeitung. „Die erneute Vorteilsannahme, diesmal von VW, lässt sich nun wirklich nicht mehr mit langjährigen Freundschaften begründen“, so Schostok. „Der Verstoß gegen das Ministergesetz ist offensichtlich – und das ist keine Bagatelle.“
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, findet den Bundespräsidenten Christian Wulff „eigentlich nicht mehr tragbar“. Oppermann sagte am Freitag im Deutschlandfunk, Wulff habe die Grenzen nicht eingehalten, was von jedem Amtsträger gefordert werde. „Wir brauchen in Schloss Bellevue keinen Heiligen, sondern einen, der sich an Recht und Gesetz hält“, sagte der SPD-Politiker.
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Die Bundesspitze der Grünen schlägt noch ruhigere Töne an. Die Grünen-Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir haben Bundespräsident Christian Wulff erst einmal aufgefordert, sein Amt "ruhen zu lassen" - das aber ab sofort.
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Der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele dagegen findet deutlichere Worte: „Es reicht jetzt“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe). „Die Vorstellung, dass der Bundespräsident staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt ist, ist unvorstellbar." Ein Rücktritt sei unvermeidbar: "Er muss sich aus der Schusslinie bringen.“
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Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler aus Mainz findet, die Affäre um Wulff sei unerträglich geworden. „Christian Wulff sollte jetzt Platz machen, um Schaden von seinem Amt abzuwenden“, forderte Köbler bei dapd. „Wir wollen hier keine italienischen Verhältnisse à la Berlusconi.“
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Der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, rechnet nach der Beantragung der Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten mit dem Rücktritt von Amtsinhaber Christian Wulff. „Nach einem wochenlangen Trauerspiel ist nun wohl endgültig der Punkt erreicht, an dem ein Rücktritt des Bundespräsidenten unvermeidlich erscheint“, sagte Stegner „Handelsblatt Online“.
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Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion, Dagmar Enkelmann, hat sich ebenfalls für einen Rücktritt von Wulff ausgesprochen. „Er ist nicht mehr tragbar“, sagte sie der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe). Schon vor der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover, Ermittlungen einzuleiten, habe Wulff so viel Kredit verspielt, dass es nicht mehr möglich sei, das wieder gut zu machen.
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Der FDP-Abgeordnete Erwin Lotter forderte schon im Dezember Wulffs Rücktritt. Seine Begründung: „Statt mit präsidialem Glaubwürdigkeitskredit den Menschen in turbulenter Zeit Orientierung zu geben, ist der Bundespräsident gefangen im spitzfindigen Formulierungskampf um seinen Hauskredit."
Sein Parteikollege Wolfgang Kubicki ist weniger direkt. Er empfiehlt Wulff gentlemanlike, sich zu fragen, ob er das Amt noch ausüben kann.
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Muss man den kennen? Jetzt schon: Wulff sollte abtreten, rät Karl-Georg Wellmann von der CDU. Er ist der erste Abgeordnete der Bundestagsfraktion, ...
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...der das so offen ausspricht. Wenn Wulff im Amt bleibe, wäre das "ein Schrecken ohne Ende, und ein Ende mit Schrecken wäre besser", sagte Wellmann im ZDF.
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Ulrich Maurer ist da weniger diplomatisch. "Christian Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten und damit die Bundesrepublik massiv beschädigt. Das Maß ist voll", wettert er. Maurer ist Fraktionsvize von "Die Linke". Die Piratenpartei...
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...hätte auch gern, dass Wulff das Boot verlässt. Im Bild: Die Geschäftsführerin Marina Weisband.
Die Opposition legt ihre bisherige Zurückhaltung ab: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte am Freitagmorgen Wulffs Rücktritt. In ihren Augen sei eine „staatsanwaltliche Ermittlung mit dem Amt des Bundespräsidenten unvereinbar.“
Wulff und seine Frau Bettina ließen zudem 2009 Eintrittskarten zum so genannten Nord-Süd-Dialog auch privaten Freunden zukommen, berichtet der Spiegel. Bei den Ermittlungen zum Nord-Süd-Dialog fanden sich laut dem Bericht E-Mails von Bettina Wulff auf dem Dienstcomputer von Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker. Darin nennt sie dem Büro ihres Mannes Personen, die noch eingeladen werden sollten – darunter eine Freundin und deren Mann. Die Veranstaltung des Eventmanagers Manfred Schmidt fand in Hannover und Stuttgart statt.
Zudem bat Bettina Wulff, die 2009 in der Presseabteilung der Drogeriekette Rossmann tätig war, für die Dialog-Veranstaltung um eine Einladung für einen Kollegen. Auch einen früheren Mitstreiter bei der Continental AG ließ sie laut Spiegel zum Nord-Süd-Dialog einladen. Ebenso wurden die Bremer Marc und Jens Brune eingeladen, Eigentümer des Hotels Seesteg auf Norderney. Die Wulffs haben dort wiederholt Urlaube verbracht. Bisher hat Wulff erklärt, die Feier sei eine Privatveranstaltung Schmidts gewesen. Gegen Glaeseker und Schmidt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung.
Akten zurückgehalten
Der SPD-Abgeordnete und ehemalige niedersächsische Innenminister Heiner Bartling will Klage beim Staatsgerichtshof einreichen. Er wirft der früheren Landesregierung Wulff vor, das Parlament im April 2010 falsch informiert zu haben. Bartling hatte damals Auskunft über eine Beteiligung des Landes an der Privatveranstaltung „Nord-Süd-Dialog“ verlangt. Die Staatskanzlei verneinte eine Beteiligung. Mit einer Entscheidung des Gerichts in Bückeburg rechnet die SPD noch vor der Landtagswahl 2013.
Der Staatsanwaltschaft Hannover fehlen im Fall Glaeseker wichtige Unterlagen, berichtet der Spiegel weiter. So war die baden-württembergische Landesregierung schon vor Wochen aufgefordert worden, Akten über den „Nord-Süd-Dialog“ herauszugeben. Bislang sei aber gar nichts eingegangen. Keine Kenntnis haben die Ermittler bislang auch über das Ergebnis einer Durchsuchung von Räumen Schmidts im schweizerischen Zug. Schmidt versucht derzeit laut Spiegel, die Herausgabe der Ermittlungsergebnisse zu verhindern.
Wulff hätte VW-Aufsichtsrat unterrichten müssen
Unterdessen ist bekannt geworden, dass die Schadenersatzklagen von Anlegern gegen Volkswagen, Porsche und Wulff neuen Auftrieb erhalten könnten: Es geht um einen Aktenvermerk des damaligen Chefs der Wirtschaftsabteilung der Staatskanzlei in Hannover, Mathias Middelberg, vom 12. Februar 2008 für den damaligen Ministerpräsidenten und VW-Aufsichtsrat Wulff. Er habe offenbar früh Hinweise auf Porsches Übernahmepläne für Volkswagen gehabt, ohne den VW-Aufsichtsrat oder die Öffentlichkeit zu informieren, so der Spiegel.
Nach Ansicht von Kapitalmarktexperten hätte Wulff nach dem Vermerk den Aufsichtsrat unterrichten müssen. Viele Investoren hatten auf sinkende Kurse gesetzt und verloren Milliarden, als Porsche im Herbst 2008 die Absicht offenbarte, einen VW-Anteil von 75 Prozent anzustreben. Damalige Investoren verklagen VW und Porsche auf Schadenersatz. Die Kanzlei CLLB fordert im Auftrag der Investoren auch von Wulff Geld. Insgesamt geht es um Forderungen von rund 1,8 Milliarden Euro.
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