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NSU-Ermittlungen: Ex-Geheimdienstler bestreitet Schutz für V-Mann

Vor dem NSU-Ausschuss: Peter-Jörg Nocken.

Vor dem NSU-Ausschuss: Peter-Jörg Nocken.

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dapd

Ein weiterer Verfassungsschützer aus Thüringen hat vor dem Neonazi-Untersuchungsausschuss bestritten, eine Top-Quelle in der Neonazi-Szene geschützt zu haben. „Wir haben weder eine Warnung gegeben, noch eine Hand schützend über ihn gehalten“, sagte der Ex-Vizepräsident des Landesamtes, Peter-Jörg Nocken, am Dienstag mit Blick auf den V-Mann Tino Brandt. Brandt, der Kopf des Neonazi-Netzwerks „Thüringer Heimatschutz“, hatte 35 Ermittlungsverfahren ohne ein Urteil überstanden.

Polizisten hatte dazu im Ausschuss kaum verhüllt den Verdacht geäußert, dass ihn der Verfassungsschutz vor Razzien gewarnt hatte. So habe Brandt etwa Ermittler morgens um sechs Uhr erwartet und zuvor die Festplatte seines Computers ausgebaut. „Wir haben in keinem Fall eingegriffen“, sagte Nocken. Der Verfassungsschutz habe wenige Informanten in der rechtsextremistischen Szene gehabt. Ohne Brandt wäre das Amt in der Neonazi-Szene „absolut blind“ gewesen.

Nocken bezeichnet Arbeit mit Roewer als schwierig

Gegenüber dem NSU-Ausschuss bezeichnete Nocken die Zusammenarbeit mit seinem damaligen Chef Helmut Roewer als schwierig. „Er war ein extrovertierter Mann, jemand der gern Sonderwege gehen wollte“, sagte Nocken. Besonders ab dem Jahr 1997 sei die anfangs gute Stimmung im Amt ins Gegenteil umgeschlagen.

Nocken war unter Verfassungsschutzchef Helmut Roewer Leiter der Abteilung Beschaffung. Nach Roewers Rücktritt im Jahr 2000 wurde er Vizepräsident des Amtes, schied aber 2001 aus. Nocken soll unter anderem für die Geldzahlungen an V-Leute zuständig gewesen sein.

Während Roewers Zeit als Behördenchef waren die Mitglieder der Zwickauer Zelle, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, in den Untergrund abgetaucht. (dpa/dapd)


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