04.11.2011

Offener Brief: Pirat soll sein Kopftuch ablegen

Mit Latzhose und Tuch: Pirat Gerwald Claus-Brunner.
Mit Latzhose und Tuch: Pirat Gerwald Claus-Brunner.
Foto: dapd
Berlin –  

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat den Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner aufgefordert, sein Kopftuch abzulegen.

Gegen die Latzhose hat sie nichts, wohl aber gegen das Palästinensertuch: Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat den Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner aufgefordert, seine karierte Kopftracht abzulegen. Das Palästinensertuch sei nicht nur ein Symbol der Befreiungsbewegungen der Dritten Welt und der westlichen Linken, sondern stehe auch für Nationalismus, bewaffneten Kampf und Anti-Zionismus, schrieb Knobloch als Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern in einem Offenen Brief an Claus-Brunner am Donnerstag.
Der Abgeordnete wies die Unterstellung zurück, sein Tuch sei ein Zeichen von Antisemitismus. Er sei bereit, persönlich mit Knobloch darüber zu sprechen.

"Träger signalisiert antijüdische Gesinnung"

Schutz vor Sonne und Wüstensand
In der arabischen Welt

In der arabischen Welt dient die Kopfbedeckung den Männern als Schutz gegen Sonne und Wüstensand. Es heißt dort Kufiya. Seine politische Bedeutung als Palästinensertuch erhielt es im Nahostkonflikt in Palästina. Das Tuch wurde zum Symbol des Kampfes der Palästinenser um Unabhängigkeit.

„Bei aller Sympathie für Ihren politischen Protest, der sich durchaus auch in der Kleidung artikulieren kann, scheint es, als sei Ihnen die besondere Bedeutung dieses Tuches nicht in letzter Konsequenz bewusst“, schrieb Knobloch. „Bewusst oder unbewusst“ signalisiere der Träger eines solchen Tuches eine nationale, antijüdische Gesinnung und Sympathie für Gewalttätigkeit im Kampf gegen die westliche Modernität.
„Ob Sie wollen oder nicht, solange Sie dieses Tuch tragen, bringen Sie damit auch Einverständnis und Unterstützung des Kampfes gegen Israel und die Juden zum Ausdruck“, schrieb Knobloch. Sie bat Claus-Brunner darum, sich über Herkunft und Symbolkraft des Tuchs zu informieren, und dann zu entscheiden, ob er diese Ideologie befürworte. Er werde sicher weniger missverständliche Accessoires finden, um seine politische Grundhaltung zu artikulieren.

Claus-Brunner äußerte sich verwundert über Knoblochs Brief. Er weise die Unterstellung zurück, das Tuch sei bei ihm ein Zeichen von Antisemitismus. Er habe das Tuch in Israel geschenkt bekommen, als er als Elektriker in der Nähe von Haifa auf Montage gewesen sei. Bei der jüngsten Verastaltung zur Erinnerung an die Deportation der Berliner Juden am S-Bahnhof Grunewald habe ihn niemand darauf angesprochen.
„Ich werde das Tuch weiter tragen solange mir das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland das Recht der freien Meinungsäußerung einräumt“, sagte Claus-Brunner. (dpa/bb)

Modischer Protest

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