blz_logo12,9

Palästina: Gazastreifen ohne Sprit und Strom

Der Gazastreifen leidet unter Energieknappheit. Die Kraftwerke laufen mangels Treibstoff wenn überhaupt nur wenige Stunden am Tag.

Der Gazastreifen leidet unter Energieknappheit. Die Kraftwerke laufen mangels Treibstoff wenn überhaupt nur wenige Stunden am Tag.

Foto:

dpa/Mohamed Saber

GAZA-CITY -

Hani Baku, ein 43-jähriger Familienvater aus Gaza-City, weiß kaum noch wohin mit seinem Frust. Eigentlich ist er Taxifahrer, aber seit einer Woche ist er zum Nichtstun verdammt. Kunden gibt es mehr als genug. An allen großen Straßenkreuzungen warten dutzende Palästinenser verzweifelt auf eine Mitfahrmöglichkeit. Woran es mangelt, ist Sprit. Zweimal schon hat Baku vergebens vor einer der wenigen offenen Tankstellen gewartet. „Als ich dran kam, war die Zapfsäule leer.“

Alle 15 Tage gibt es Benzin

Jetzt hat er sein klappriges Taxi strategisch günstig vor der Bahlule-Tankstelle an der Strandstraße geparkt. Dort gibt es derzeit zwar auch keinen Tropfen. Doch Baku hofft, so wenigstens bei der nächsten Lieferung etwas abzubekommen. Das kann dauern. Manager Ayman Majid berichtet, dass wegen der Treibstoffrationierung jede Tankstelle nur noch alle 15 Tage 3000 Liter Benzin oder Diesel erhält. „Beim letzten Mal zog sich die Warteschlange hunderte Meter lang, bis hoch zum Flüchtlingslager Schati“, schildert er. „Schon nach drei Stunden hatten wir nichts mehr, einige Autobesitzer sind ausgerastet.“ Bis die Hamas-Polizei kam und die meisten Leute dann aus Vorsicht lieber den Mund hielten.

So viel sagt Taxifahrer Baku dennoch: „Alle sind schuld an unserer Lage, die Regierung in Ramallah genauso wie unsere in Gaza-City, die Ägypter, die Israelis, die Amerikaner. Sie springen mit uns um, als ob wir Ratten in einem Versuchslabor wären.“ Zumindest haben alle Genannten ihre Finger im Spiel bei dieser neuen Energiekrise in Gaza. Die Palästinenser haben diverse Notstände immer wieder erlebt, seitdem die Hamas im Juni 2007 die alleinige Macht an sich riss. Aber ausgerechnet jetzt, da die Muslimbrüder im benachbarten Ägypten die Wahlen gewonnen haben, ist die Versorgungslage im Gazastreifen schlimmer denn je.

nächste Seite Seite 1 von 2