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Berliner Zeitung | Pegida in Dresden: Rabatte gegen Rassisten
17. January 2016
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Pegida in Dresden: Rabatte gegen Rassisten

Schlecht für's Geschäft: ein Pegida-Aufmarsch in Dresden

Schlecht für's Geschäft: ein Pegida-Aufmarsch in Dresden

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dpa

Dresden -

Montagabends in der Dresdner Innenstadt: Tausende „besorgte Bürger“ , die seit mehr als einem Jahr Pegida hinterhertrotten und Merkel und alle Flüchtlinge wegbrüllen wollen. Hunderte Polizisten mit ihren Mannschaftswagen, die das Spektakel bewachen müssen, wenige bis sehr wenige Gegendemonstranten. Was immer weniger zu sehen ist zwischen Rathaus, Zwinger, Frauenkirche und Elbpromenade: Spaziergänger, die Schaufenster betrachten, Menschen mit Einkaufsbeuteln, Leute, die sich zum Abendessen im Restaurant verabreden oder durch die Einkaufspassagen bummeln. Stattdessen Krakeel und Krawall – und sinkender Kommerz.

Das soll sich wieder ändern. Dresden, seit 1990 verwöhnt von steigenden Besucherzahlen, muss dank Pegida auch deutliche Verluste im Tourismus hinnehmen. Nun fangen Dresdens Geschäftsleute an, sich zu wehren. Pegida bedroht massiv ihre Geldbeutel. „Alle waren genervt davon, dass das Zentrum montags immer leerer wird“, sagt Modehändler Heiko Liepack-Arlt. Er und 20 andere Geschäftsleute wollen den Montag zurückerobern – und das mit den Waffen des Händlers: Sonderangebote, Rabatte, Vergünstigungen. „Dresden geht aus“, heißt die nun startende Kampagne. Gerichtet an alle Dresdner, die sich montags nicht mehr trauten oder glaubten, das Zentrum sei sowieso abgeriegelt, beschreibt es City-Manager Jürgen Wolf in der Sächsischen Zeitung.

Gratis-Sekt und freies Parken

Wie das gehen soll: Ganz einfach. Wer in der Altmarktgalerie montagabends einkauft und mehr als 40 Euro ausgibt, soll umsonst in der Tiefgarage parken. Wer bei Sinn-Leffers eine Hose oder einen Rock kauft, kann sie sich kostenlos ändern lassen, wer mehr als 100 Euro ausgibt, bekommt einen Gutschein. In der Herkuleskeule, einem Kabarett, gibt es montags ein Gläschen Gratis-Sekt für die Zuschauer. Das Hygienemuseum zeigt kostenlos seine Sonderausstellung über die Schattenseiten der Mode. C&A vergibt Essensgutscheine. Im Restaurant Alte Meister am Theaterplatz, auf dem Pegida in der Regel seine Kundgebungen abhält, gibt es einen großen Tisch zum Reden und auch Essen nebst besonderem Montagsmenu. Das William, das Restaurant im Schauspielhaus neben dem Zwinger, geht kulinarisch noch einen Schritt weiter und präsentiert die Lieblingsgerichte von bekannten Schauspielern und quasi als Dessert kleine Lesungen.

Ob das alles hilft und den Montag zurückholt in die Reihe der normalen Wochentage? Wenn überhaupt, schnell wird es nicht gehen, auch wenn Dresdner gerne in die Stadt strömen, sobald irgendwo Rabatte und andere Verlockungen winken. „Das ist nicht in vier Wochen zu Ende“, meint City-Manager Wolf. „Es hat lange gedauert, die Stadt zu leeren. So lange wird es auch dauern, sie wieder zu füllen."


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