21.12.2011

Pflege-Ausbildung: Die Anforderungen sind gestiegen

Von Claudia Fuchs
        

Andreas Westerfellhaus ist  Geschäftsführer der  Akademie für Berufe im Gesundheitswesen.
Andreas Westerfellhaus ist Geschäftsführer der Akademie für Berufe im Gesundheitswesen.
Foto: dpa
Berlin –  

Je höher der Schulabschluss der Bewerber, desto besser sind sie für die Ausbildung geeignet – theoretisch zumindest. Andreas Westerfellhaus ist Präsident des Deutschen Pflegerates und Geschäftsführer der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen in Gütersloh. Er begrüßt die Forderung der EU-Kommission ganz ausdrücklich.

„An unserer Akademie laufen derzeit die Auswahlverfahren für die Ausbildungszeit, die im Herbst beginnt. 80 Prozent der Bewerber sind Frauen, 20 Prozent Männer – und schon heute hat die überwiegende Zahl von ihnen Abitur. Das sind in der Regel auch jene, die sich später leichter tun mit der Ausbildung. Und das ist nicht verwunderlich.

Die Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten in der Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger – also Schwestern und Pfleger – sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das ist eine Konsequenz aus den gestiegenen Anforderungen in der Berufspraxis. Die Materie, um die es geht, ist sehr komplex.

Kritisches Hinterfragen und kreatives Denken

Natürlich, eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Ausbildung ist die Motivation, und die hat mit schulischer Bildung wenig zu tun. Andere Eignungen aber – Grundkenntnisse in Biologie und Chemie, selbstständiger Wissenserwerb, Transferleistungen zwischen Fachgebieten, kritisches Hinterfragen oder kreatives Denken in Prozessen – all das bringt jemand, der zwölf Jahre zur Schule gegangen ist, eher mit. Wir merken das ganz deutlich: Je höher die schulische Qualifizierung, desto besser die theoretischen Voraussetzungen.

Ich begrüße den Vorstoß der EU-Kommission deshalb sehr. Und es geht ja nicht primär ums Abitur – es geht um zwölf Jahre Schulbildung. Das kann auch ein Berufskolleg sein, wo ein Fachabitur erworben wurde. Wer von der Realschule kommt und eine Ausbildung im Krankenpflegebereich machen will, ist meist 16 Jahre alt.

Diese jungen Menschen müssen auch psychischen Belastungen gerecht werden, sie haben mit Schwerkranken zu tun. Das können nicht alle. Zwei Jahre später sind viele besser vorbereitet. Sie sind belastbarer.

Qualitätsverbesserung für Patienten

Ich verstehe die Aufregung um das Thema nicht. In der EU herrscht Freizügigkeit im Arbeiten, und dort muss gewährleistet werden, dass bei gleicher Berufsbezeichnung auch gleiche Qualifizierungen bestehen. Wir haben schon jetzt ein hohes Niveau, das muss man auch sagen. Das wird jetzt festgeschrieben.

Noch unter Schwarz-Rot galt als Voraussetzung der Hauptschulabschluss. Dieser Irrweg wird nun endlich verlassen. Wer in der Praxis mehr Qualität haben will, der braucht auch eine höhere Grundqualifizierung bei den Bewerbern. Das bedeutet auch für die Patienten eine Qualitätsverbesserung – und um die geht es letztlich.“ Notiert von Claudia Fuchs.

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