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Positionspapier : Die Grünen wollen die Gesellschaft entlasten

Symbolbild

Mehr Zeit für die Familie fordern die Grünen in ihrem Positionspapier.

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dpa

Berlin -

Mehr Zeit, Flexibilität, Kreativität, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und ein „Abschiednehmen von überholten Mustern“  in der Familien-und Arbeitspolitik fordern die Grünen in einem neuen Positionspapier, das die Bundestagsfraktion vergangene Woche verabschiedet hat. In dem Papier mit dem Titel „Zeit für mehr Familien- und Arbeitszeit: Damit Leben und Beruf besser zusammenpassen“  machen die Grünen konkrete Vorschläge, damit Frauen und Männer ihr Berufs- mit dem Familienleben besser miteinander in Einklang bringen können. „Der Gesellschaft geht die Puste aus“, schreiben sie und berufen sich auch darauf, dass die Zahl der Tage,  an denen Beschäftigte wegen  psychischen Erkrankungen  nicht arbeiten können, seit Jahren stetig steigt.

„Gehetzt sein ist für viele ein alltägliches Gefühl. Insbesondere Menschen, die Sorge für andere tragen, sind oft massiv unter Zeitdruck. Mit unseren Vorschlägen wollen wir ermöglichen, dass Bürgerinnen und Bürgern wieder mehr Selbstbestimmung über ihre Zeit haben“, sagte Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, dieser Zeitung.  Besonders in Lebensphasen, in denen es eng wird, sollen sie finanziell entlastet werden.

„Es geht um einen Kulturwandel“

Die Fraktion schlägt deshalb unter anderem vor, einen Arbeitszeitkorridor zu schaffen, der Beschäftigten ermöglicht, selbst zu entscheiden, ob sie 30 oder 40 Stunden arbeiten möchten. So könnte dann ein junger Familienvater für ein Jahr seinen Arbeitsumfang verringern und später wieder ausdehnen, wenn das Kind älter ist. Laut aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes wollen 2,9 Millionen Menschen gerne weniger arbeiten,  0,9 Millionen würden ihre Arbeitszeit gern verringern.

Außerdem soll mit dem sogenannten Rückkehrrecht  auf einen früheren Stundenumfang die Formel „ Einmal Teilzeit, immer Teilzeit“ der Vergangenheit angehören. Dies betrifft vor allem Frauen, die nach einer Schwangerschaft für eine Zeitlang Teilzeit arbeiten und später Probleme bekommen, wieder in eine Vollbeschäftigung zurückzukehren – auch ein Grund für das Lohnungleichgewicht zwischen und Frauen und Männern in Deutschland.

„Es geht um einen Kulturwandel, der Arbeit und Leben neu definiert und miteinander in Einklang bringt. Unsere Instrumente sehen vor, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und Selbständige sozial besser abzusichern“, sagte Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, dieser Zeitung.

Die Fraktion schlägt  außerdem vor, das Elterngeld auszuweiten. Jedes Elternteil soll acht Monate Unterstützung erhalten, weitere acht Monate können frei untereinander aufgeteilt werden. Diese 24 Monate sollen auch Alleinerziehenden zur Verfügung stehen. Diese  Zeit soll bis zum 14. Lebensjahr des Kindes genommen werden können, nicht nur bis zum achten, wie es jetzt möglich ist.

Die Grünen setzen gerade offenbar verstärkt wieder Akzente in der Frauen- und Familienpolitik – auch schon im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl 2017. Denn zwischen 2009 und 2013 ist der Anteil der Frauen, die  Grünen wählten um rund zwei Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig wollen sie offenbar auch wieder eine jüngere Wählerschaft erreichen.

Pflegezeit für alle

Aber auch im Bereich der Pflege gibt es neue Ansätze. Nach ihrer Idee,  soll eine Teilrente schon ab dem 64. Lebensjahr möglich sein, um den Bedürfnissen älterer Menschen besser gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen Personen, die andere pflegen, für drei Monate freigestellt werden. Auch Menschen, die keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu dieser pflegebedürftigen Person haben, sollen Anspruch auf Pflegezeit und Lohnersatzleistung haben.

Die Grünen möchten außerdem Weiterbildungen mit Darlehen und Zuschüssen fördern, damit einkommensschwache Arbeitnehmer trotzdem die Möglichkeit haben, sich fortzubilden.


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