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Premier-Kandidat Mario Monti: Stil und Strenge statt Berlusconi

Als neuer Premier Italiens würde Mario Monti ein schweres Erbe antreten.

Als neuer Premier Italiens würde Mario Monti ein schweres Erbe antreten.

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REUTERS

Rom -

Plötzlich waren die Dinge in Rom in einem Tempo in Bewegung geraten, die noch vor kurzem niemand für möglich gehalten hätte, am wenigsten wohl Silvio Berlusconi. Sicher hatte er gehofft, mit seinem Rücktritt auf Raten noch einmal die Bedingungen diktieren zu können. Doch die Finanzmärkte ließen sich nicht beruhigen von seinem halbherzigen Versprechen. Am Mittwoch überschritten die Zinsen für italienische Staatsanleihen die kritische Sieben-Prozent-Schwelle, die EU und der Internationale Währungsfonds erhöhten den Druck auf Italien weiter. Auch Staatspräsident Giorgio Napolitano machte unmissverständlich klar, dass die Zeit der barocken römischen Machtspiele abgelaufen ist. Bis zum Sonnabend sollen die Sparmaßnahmen und Reformen, die die EU verlangt hat, beide Parlamentskammern passiert haben. Dann muss Silvio Berlusconi gehen.

Seinem wahrscheinlichen Nachfolger hat er indirekt schon gratuliert, mit der üblichen Süffisanz. „Ich wünsche Ihnen gute Arbeit im Interesse des Landes“, schrieb er dem Mann in einem Telegramm. Formal galten die guten Wünsche an Mario Monti zwar dessen Ernennung zum Senator auf Lebenszeit, die Staatspräsident Giorgio Napolitano am Mittwochabend bekannt gegeben hatte und damit signalisierte, dass Monti Chef einer technischen Regierung wird. Doch eine Chance hat der nur, wenn Berlusconi ihn unterstützt. Darauf deutete gestern einiges hin.

Gegenentwurf zu Berlusconi

Monti, der 68-jährige Präsident der angesehenen Mailänder Bocconi-Universität, ist der Gegenentwurf zu Berlusconi: Er ist weltläufig, gebildet, hat vollendete Manieren, ist ein überzeugter Europäer und gilt als ausgewiesener Wirtschaftsexperte mit besten internationalen Kontakten. Pathos und Protzerei sind Monti fremd, er gilt als knochentrocken, aber beinhart in der Sache und kleidet sich am liebsten im klassischen britischen Stil.

Immer wieder hat Monti Berlusconi kritisiert, keine aktive Wirtschaftspolitik zu betreiben. „Wir haben kein Geld, weil keine Politik des Wachstums verfolgt wurde“, ist er überzeugt. Die Unterstützung der italienischen Industrie ist ihm sicher, er gilt als klassischer Wirtschaftsliberaler. Die Chefin des einflussreichen Unternehmerverbandes Confindustria, Emma Marcegaglia, hat ihre Zustimmung bereits signalisiert. Weil Monti aber auch ein soziales Gewissen hat, könnten auch viele Linke mit ihm leben.

Unbeugsam und unbestechlich

Monti war Jesuitenschüler, studierte in Mailand und Yale, lehrte in Mailand, Turin und Trient, ehe ihn Berlusconi in seiner ersten Amtszeit 1995 als Kommissar nach Brüssel schickte. Ein Ministeramt hatte Monti abgelehnt. Als Wettbewerbskommissar legte er sich mit so mächtigen Gegnern wie Gerhard Schröder und den US-Giganten General Electric und Microsoft an. Am Ende setzte sich Monti immer durch, kämpfte unbeugsam und unbestechlich gegen Kartelle und Preisabsprachen, gegen unlautere Wettbewerbsvorteile und ungerechtfertigte Staatszuschüsse. Zu den Gerüchten um seine Nominierung hat Mario Monti bisher selbstverständlich geschwiegen. Doch besteht kein Zweifel, dass er sich so einiges zutraut.