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Prozess: Bauer ohne Chance gegen Agrarkonzern

Der Landwirt Vernon Bowman vor dem Obersten Gericht in Washington

Der Landwirt Vernon Bowman vor dem Obersten Gericht in Washington

Foto:

ap/J. Scott Applewhite

Vernon Bowman ist ein Dickschädel. Vor einigen Tagen sagte der Bauer aus dem Südwesten des US-Bundesstaates Indiana im Radio noch ganz kämpferisch: „Streit macht mir nichts aus. Wir können den ganzen Tag streiten, und das wird mir keine schlaflose Nächte bereiten.“ Einige Tage und ein Urteil des Obersten US-Gerichtshofs später wird sich zeigen müssen, ob der Junggeselle auch in Zukunft noch ruhig schlafen kann. Denn Bowman, 75, hat seinen Prozess gegen den Gentechnik-Giganten Monsanto verloren.

Der Bauer hat in den vergangenen Jahren gemacht, was fast alle US-Farmer machen, die Sojabohnen anbauen. Er hat Saatgut bei Monsanto gekauft. Das ist zwar teuer, doch gentechnisch so verändert, dass ihm Unkrautvernichtungsmittel nichts anhaben kann. „Das hat die Sache viel einfacher gemacht“, fand Bowman.

Nun bietet der Boden in Indiana den Bauern aber die Aussicht auf eine zweite Ernte, wenn das Wetter mitspielt. Und dieser Umstand wurde zu Bowmans Problem. Statt für die zweite Aussaat ebenfalls bei Monsanto einzukaufen, fuhr der Bauer zu einem Silo der landwirtschaftlichen Genossenschaft und besorgte sich dort aus der überschüssigen Ernte seiner Kollegen Saatgut zu einem günstigeren Preis. Diese Sojabohnen tragen ebenfalls das unkrautresistente Gen in sich.

Viele Jahre ging das so. Bowman dachte sich, dass der große Konzern Monsanto damit kein Problem haben werde. Der Bauer täuschte sich. Monsanto kam ihm auf die Schliche, verklagte ihn und bekam von einem Gericht 84 000 Dollar Schadenersatz zugesprochen. Vor Bowman haben schon mehrere hundert kleine US-Farmer solche Prozesse gegen Monsanto verloren. Bowman aber wollte nicht zahlen.

Und sein Fall wurde tatsächlich vom Obersten Gerichtshof angenommen. Das allein war schon eine Sensation. Das Urteil aber war enttäuschend für den Bauern aus Indiana. Die obersten Richter in Washington folgten den Argumenten der Monsanto-Anwälte. Natürlich, sagten diese Anwälte und verglichen das Saatgut mit moderner Elektronik, natürlich dürfe jeder ein iPhone kaufen und damit machen, was er wolle. Niemand aber dürfe das Telefon nachbauen und damit Apple das Geschäft vermiesen.

So sahen es schließlich auch die Richter und stärkten mit ihrem Urteil die Patenrechte von Monsanto. Bauer Bowman aber steht nun vor dem Ruin.



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