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Reaktionen auf „Charlie Hebdo“-Attentat: AfD-Vize Gauland betreibt öffentliche Leichenschändung

„Charlie Hebdo“

Die deutsche Presse solidarisiert sich mit „Charlie Hebdo“.

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dpa

Für was, für wen haben die ermordeten Journalisten von Charlie Hebdo gelebt? Für die Freiheit, öffentlich nach Belieben ja und nein zu sagen, für den Kampf gegen rechte und linke Ressentiments, für das Recht auf Verspottung religiöser und politischer Autoritäten. Also für alle,  die keine Gewalt – weder mit der Waffe noch aus Megaphonen – benötigen, denn sie haben einen Kopf, und die Hass ratlos macht, der ihre Herzen in Mördergruben verwandelt.

Und für wen, für was sind die Karikaturisten gestorben? Für die NPD, für „Pegida“, für Alexander Gauland von der AfD, die sich der Mordopfer sogleich bemächtigten, als die Leichen noch warm waren, und sie als Zeugen aufriefen gegen die vermeintliche Islamisierung Europas, als Helfershelfer ihrer menschenfeindlichen Ressentiments in Dienst nahmen und zu Komplizen ihres Hasses erklärten.

Gauland, der „Pegida“ als „natürliche Verbündete“ seiner AfD betrachtet, betrieb öffentliche Leichenschändung, als er wenige Stunden nach den Morden beteuerte: „All diejenigen, die bisher die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht haben, werden durch diese Bluttat Lügen gestraft.“ – so wie natürlich auch die Morde des islamophoben Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch die Islamophobie auf blutige Weise bestätigt haben.

Hass auf die Freiheit

Aber die Gefahr droht nicht durch den Islam und auch nicht durch die Islamophobie. Die Gefahr liegt in dem, was die Täter von Paris zu Mördern und moralisch verkrümmte Figuren wie Gauland zu Leichenschändern werden lässt. Es ist ihr Hass auf das Andere, das Fremde – die Freiheit.

Noch nie sind sich islamistische Terroristen und islamophobe Radikale so nahe gewesen wie in dem Schlachthaus, in das die Mörder das Redaktionsgebäude von „Charlie Hebdo“ verwandelten. Was sie verbindet, ist ihr Hass auf die „Lügenpresse“, dem die  Demonstranten in Dresden Montag für Montag grölend  Ausdruck verleihen – nichts anders trieb die Attentäter an, die versuchten, die Lügenpresse zum Schweigen zu bringen.

Eine freie Presse ist die Substanz der Demokratie, freier war und ist sie nicht als in den Redaktionsstuben von Charlie Hebdo. Die Kugeln wurden nicht nur auf Journalisten abgefeuert, sie sollten einen Journalismus zur Strecke bringen, der den Geist der Freiheit gegen alle verteidigt,  deren Denken vom Ressentiment bestimmt wird und ihr Fühlen von Angst und Hass.

Das macht sie zur „Lügenpresse“ – für Islamisten ebenso wie für Islamophobe, für rechte und für linke Extremisten, mit anderen Worten: für alle Menschenfeinde. Für alle anderen macht es sie zum Lebenselixier der Demokratie.



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