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Schulstudie von CDU/CSU: Jeder Dritte unzufrieden mit dem deutschen Bildungssystem

Das deutsche Schulsystem steht bei den Bürgern in der Kritik.

Das deutsche Schulsystem steht bei den Bürgern in der Kritik.

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dpa

Berlin -

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung ist mit dem Schul- und Bildungssystem in Deutschland nicht zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap, die von der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz (FVK) in Auftrag gegeben wurde. „Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Osten sind nur 42 Prozent zufrieden, während es im Westen 59 Prozent sind“,  sagte Mike Mohring, Vorsitzender der CDU/CSU-FVK und Vorsitzender der CDU Thüringen am Montag in Berlin.

Am zufriedensten zeigten sich danach die Bremer und Saarländer (67 Prozent) mit dem Schul- und Bildungssystem, dicht gefolgt von den Bayern (64). Die Schlusslichter bilden laut Umfrage Mecklenburg-Vorpommern (38), Sachsen-Anhalt (36) und Thüringen (34). André Schröder, Mitglied des Landtages und Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, vermutet, dass in Ostdeutschland eine andere Erwartungshaltung an die Schulen gesetzt werde.

„Eine Schule kann nicht alles leisten, wir dürfen Schule und Schüler nicht überfordern“, sagte Mohring. Fast jeder zweite der 2002 Befragten glaubt, dass Bayern das beste Schul- und Bildungssystem habe.

60 Prozent gaben an, dass Berufsschulen finanziell stärker gefördert werden müssten, jeder zweite kritisiert, dass die Schulen die Jugendlichen schlecht bis sehr schlecht auf die spätere berufliche Ausbildung vorbereiteten.

Julia Klöckner, Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz, fordert daher eine höhere finanzielle Förderung, eine  Aufwertung der Berufsbildung und des dualen Systems in Deutschland sowie eine bessere Ausstattung. „Es sind Lippenbekenntnisse, dass die berufliche Ausbildung genauso viel wert ist wie die akademische“, so Klöckner.

Studium attraktiver als Ausbildung

Laut Studie fordern 86 Prozent der Befragten, dass Ausbildungsberufe genauso anerkannt sein sollten wie Berufe, für die man ein Hochschulstudium benötigt.

Es gebe immer mehr freie Ausbildungsstellen, die Unternehmen beklagten mangelndes Grundlagenwissen und es gebe immer mehr Unterrichtsausfälle an den berufsbildenden Schulen,  kritisierte  die stellvertretende Vorsitzende der CDU. Schon jetzt fehlten Facharbeiter. Sie könne es den Eltern aber nicht verübeln, dass sie ihren Kindern nahelegten, das Abitur zu machen. Man müsse vermitteln, dass der junge Mensch nicht erst dann zum Menschen werde, wenn er das Abitur habe.

„Wir werden nicht alles anders, aber vieles besser machen. Die Bevölkerung will es, die Politik muss nachziehen“, sagte Klöckner auch mit Blick auf die Landtagswahlen am 13. März in Rheinland-Pfalz.

Holger Seibert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) glaubt, dass immer mehr Jugendliche lieber den Weg in eine Hochschule wählten, weil ein Studium attraktiver sei: Eine geringere Gefahr der Arbeitslosigkeit, ein besseres Gehalt, mehr Freiheiten als bei einer dualen Ausbildung.

„Die Betriebe machen immer mehr Zugeständnisse. Sie beklagen, dass die Jugendliche zu wenig können. Viele Arbeitgeber können nicht mehr aus Bewerbern auswählen. Vor allem im Bereich Hotel- und Gastronomiegewerbe fehlen Auszubildende“, sagte Seibert dieser Zeitung.

Bessere Sprachausbildung für Flüchtlinge

Laut einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) registriert mehr als jeder zweite Betrieb schon heute rückläufige Bewerberzahlen. 2013 blieben im IHK-Bereich 80.000 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Er fordert, dass die Schulen die Jugendlichen besser auf das Berufsleben vorbereiten. „Die Schule sollte nicht zu viel Artfremdes unterrichten, aber  sich mehr auf die Kernaufgaben wie rechnen, Sozialkompetenz und Deutsch konzentrieren“, so Seibert.

Klöckner sprach sich außerdem für eine gesonderte Sprachausbildung für Flüchtlinge aus. Viele Flüchtlinge seien zwar nicht mehr schulpflichtig,  aber sie kämen in der Berufsschule nicht mit, da ihnen vor allem Sprachkenntnisse fehlten.  Rund 82 Prozent der Befragten der Studie sind ebenfalls der Meinung, dass Kinder, die noch kein Deutsch sprächen, für ein bis zwei Jahre in gesonderte Vorbereitungsklassen kommen sollten.

Laut Umfrage sprachen sich außerdem 94 Prozent dafür aus, Förderschulen für Kinder mit besonderem Förderbedarf zu unterstützen. 57 Prozent stimmten der Aussage zu, dass begabte Schüler besonders an Gymnasien optimal gefördert würden – ein Beleg für die bildungspolitischen Ziele der CDU, die sich für den Erhalt des mehrgliedrigen Schulsystems einsetzt.


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