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Schulvergleich: Deutschland hat nach der PISA-Misere dazugelernt

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dpa

Schlechte Bildung ist teuer. Wer in der Schule das Nötigste nicht lernt, bekommt einen weniger qualifizierten oder gar keine Job – und der Volkswirtschaft geht viel Wertschöpfung verloren. Rund 140.000 Schüler unter den heute 15-Jährigen in Deutschland erreichen nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Mathematik nicht mal oder gerade eben das Kompetenzniveau 1 in Mathematik. Das heißt, sie haben Schwierigkeiten mit Aufgaben, die man eigentlich locker einem 10-Jährigen zutrauen würde, wie der OECD-Direktor für Bildung, Andreas Schleicher erläutert. Allein durch die schlechten Kenntnisse dieser Mädchen und Jungen gingen der Wirtschaft über das gesamte Arbeitsleben gerechnet 3600 Milliarden Euro verloren, sagt er.

Deutschland zwar besser - aber noch lange nicht in der Spitze

Nach dem Ende der Schulzeit gebe es kaum Chancen, dass die Schüler ihre Defizite im späteren Leben noch einmal aufholten, warnt Schleicher, der zugleich Chefkoordinator des internationalen Schulvergleichs PISA ist. Grund genug für die OECD, eine Sonderauswertung der PISA-Daten von 2003 bis 2012 mit dem Schwerpunkt leistungsschwache Schüler vorzunehmen.

Das Ergebnis: Deutschland ist besser geworden – aber es gibt auch weiterhin erheblich Luft nach oben. Der Anteil derer, die in Mathematik mit den einfachsten Dingen nicht klarkommen, ist in den genannten Jahren von 22 Prozent auf 18 Prozent gesunken. Im Lesen ging der Anteil dieser Gruppe sogar um acht Prozentpunkte auf 14 Prozent zurück. Doch zur Spitzengruppe der Industrieländer gehört Deutschland noch lange nicht.

Als wichtigen Grund für die Verbesserungen in Deutschland nennt der OECD-Bildungsexperte Schleicher neben einer höheren Zahl von Ganztagsschulen den Ausbau der frühkindlichen Förderung, die einen besonders großen Einfluss auf die Bildungskarriere habe. Eine positive Folge: Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund unterscheidet sich nicht mehr wesentlich von dem der Altersgenossen – jedenfalls dann, wenn sie aus einer vergleichbaren sozialen Schicht stammen.

Soziale Schicht beeinflusst Risiken

Genau hier liegt weiter der Knackpunkt. „Schüler aus sozial benachteiligten Schichten haben noch immer ein erheblich höheres Risiko, zu der Gruppe der besonders Leistungsschwachen zu gehören“, sagt Schleicher. In Deutschland sei dieses Risiko für die entsprechenden Kinder und Jugendlichen mindestens vier Mal so hoch wie für andere in ihrer Altersgruppe. Die Niederlande, aber auch Kroatien seien in dieser Frage viel erfolgreicher als die Deutschen.

Als Vorbild verweist Schleicher insbesondere auf Singapur. „Dort gelingt es, die besten Köpfe für den Lehrerberuf zu gewinnen“, erklärt der OECD-Bildungsexperte. Gleichzeitig würden in Singapur in jede Lehrkraft jedes Jahr 100 Stunden zur Weiterbildung investiert. Lehrer besuchten sich regelmäßig gegenseitig im Unterricht und bereiteten diesen oft sogar schulübergreifend vor. „An der Professionalisierung von Unterricht in Deutschland lässt sich noch unendlich viel tun“, befindet Schleicher.

Das Fazit: Deutschland hat zwar seit dem Schock wegen des katastrophalen Abschneidens im Ende 2001 veröffentlichten PISA-Schulvergleich erhebliche Anstrengungen unternommen. Doch, so lautet die Kritik der OECD, die Reformdynamik hat sich in den vergangenen Jahren wieder abgeschwächt.  Dabei profitierten, wie Schleicher erläutert, von einer besseren individuellen Förderung nicht allein die Problemfälle: „Je stärker Chancengerechtigkeit ausgeprägt ist, umso größer ist auch der Anteil von Spitzenleistungen.“ Anders ausgedrückt: Schwache gut, alle gut.


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