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Berliner Zeitung | Schwangerschaft: Manuela Schwesig bis 1. Mai „verhindert“
22. January 2016
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Schwangerschaft: Manuela Schwesig bis 1. Mai „verhindert“

Die schwangere Familienministerin Manuela Schwesig

Die schwangere Familienministerin Manuela Schwesig

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dpa

Manuela Schwesig (SPD) hatte am Freitag ihren vorerst letzten Arbeitstag als Bundesfamilienministerin. Schwesig erwartet im März ihr zweites Kind und will deshalb bis zum 1. Mai aussetzen.

Wäre Schwesig keine Ministerin, würde man sagen, sie gehe in Mutterschutz. Bei Schwesig heißt es richtig: Sie ist „verhindert“. Denn die Mitglieder der Bundesregierung stehen in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis und haben keinen Anspruch auf Mutterschutz.

Sie können laut Geschäftsordnung der Bundesregierung aber entscheiden, sich durch andere Bundesminister oder Staatssekretäre vertreten zu lassen, wenn sie „verhindert“ sind. Schwesig, 41, hat beschlossen, ihre Auszeit an den gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz zu orientieren: Er beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Geburt. Danach will Schwesig die Arbeit wieder aufnehmen.

Nachdem sie bei ihrem ersten Kind, das 2007 zur Welt kam, ein Jahr Elternzeit genommen habe, werde nun ihr Mann beruflich ein Jahr aussetzen, das gehöre in einer modernen Familie dazu. In Schwesigs Fall ist es allerdings nicht nur modern, sondern auch ihrem Amt geschuldet. Der Anspruch auf Elternzeit gilt für Mitglieder der Bundesregierung ebenfalls nicht, laut einem Sprecher des Ministeriums kommt eine längere Auszeit für Schwesig ohnehin nicht in Frage.

Kind im Amt eine Seltenheit

Schwesig wird erst die zweite Bundesministerin sein, die im Amt ein Kind bekommt. Die erste war ihre Vorgängerin Kristina Schröder (CDU), sie führte das Familienministerium von 2009 bis 2013 und wurde 2011 Mutter. Ihren Verzicht auf eine mögliche zweite Amtszeit begründete Schröder damit, mehr Zeit für ihre Familie haben zu wollen, besonders für ihre Tochter. Seitdem ist Schröder, die 2014 ihr zweites Kind zur Welt brachte, „nur noch“ Bundestagsabgeordnete.

Doch auch ohne Ministeramt lässt das Mandat trotz des weit überdurchschnittlichen Gehalts offensichtlich wenig Raum für die Familie. Um das zu ändern, startete Schröder 2015 gemeinsam mit weiblichen Abgeordneten aus den anderen Fraktionen, die ebenfalls Mütter sind, eine Kampagne. Die Initiatorinnen fordern unter anderem einen politikfreien Sonntag und weniger Abendtermine, damit die Arbeit als Parlamentarier und das Familienleben für Eltern – Väter und Mütter sind ausdrücklich gleichermaßen gemeint – leichter zu vereinbaren sind.

Nicht als Arbeits- und Sozialministerin, sondern noch als SPD-Generalsekretärin brachte Andrea Nahles 2011 eine Tochter zur Welt. Dass sie, genau wie Schwesig es vorhat, zwei Monate nach der Geburt ihre Arbeit wieder aufnahm, brachte Nahles viele negative Reaktionen ein – in der Presse, und nach ihren Angaben auch in Form zahlreicher vorwurfsvoller Briefe, die im Willy-Brandt-Haus eingingen.

Schwesig plant mehr Homeoffice

Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ hat Schwesig nun angekündigt: „Wenn ich ab Mai wieder an Bord bin, werde ich nicht wie jetzt 14 bis 16 Stunden pro Tag arbeiten, sondern Stück für Stück wieder einsteigen.“ Sie werde Akten auf der Fahrt zwischen ihrem Wohnort Schwerin und ihrem Dienstort Berlin bearbeiten und auch mal Homeoffice machen. Während des Mutterschutzes wird Schwesig von ihren Staatssekretären vertreten, aber „natürlich bin ich als Ministerin in Notfällen erreichbar“.

Es ist denkbar, dass Schwesig, anders als Kristina Schröder, eine zweite Amtszeit ab 2017 in Betracht zieht. Denn während Schröders Mann Ole als Staatssekretär in derselben Lage ist, wie seine Frau es als Ministerin war, kann Stefan Schwesig in Teilzeit arbeiten und tut das bereits.

In Bezug auf die Briefe, die sie nach ihrer schnellen Rückkehr ins Amt bekam, sagte Andrea Nahles dem „Tagesspiegel“ damals: „Dass Frauen mit kleinem Kind berufliche Ambitionen verfolgen, rührt offenbar bei vielen doch noch an ein Tabu… Und das im Jahr 2011!“ Ob sich daran in den vergangenen fünf Jahren etwas geändert hat, wird sich zeigen, wenn Manuela Schwesig am 1. Mai in ihr Büro zurückkehrt.


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