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Berliner Zeitung | Sexuelle Übergriffe und Diebstähle: Kölner Polizei ermittelt 30 Tatverdächtige der Silvesternacht
20. January 2016
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Sexuelle Übergriffe und Diebstähle: Kölner Polizei ermittelt 30 Tatverdächtige der Silvesternacht

Polizeieinsatz in der Düsseldorfer Altstadt: Innenminister Ralf Jäger gibt zur Silvesternacht heute im Innenausschuss einen Bericht ab.

Polizeieinsatz in der Düsseldorfer Altstadt: Innenminister Ralf Jäger gibt zur Silvesternacht heute im Innenausschuss einen Bericht ab.

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dpa

Düsseldorf -

Es war nicht so katastrophal und offensichtlich wie in Köln, aber auch in der Düsseldorfer Altstadt hat es in der Silvesternacht massenhaft Straftaten gegeben, die die Polizei nicht bemerkt oder geschweige denn verhindert hat. Das ist einem Bericht zu entnehmen, den Minister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags vorlegen will. Demnach ist es bis zum Neujahrsmorgen in Düsseldorf zu 113 Übergriffen gekommen. In 69 Fällen habe es sich um Sexualdelikte gehandelt, 44 Mal um Diebstahl, Raub oder Körperverletzung.

Während der Minister im Falle Kölns (derzeit 821 Anzeigen) zu Recht von gravierenden Fehlern und polizeilichem Versagen spricht, geht er mit den Düsseldorfer Vorfällen großzügiger um. Die Zahl der eingesetzten Beamten sei „nicht zu beanstanden“, heißt es im Bericht – obwohl sich auch in der Landeshauptstadt die Ereignisse nach Mitternacht überschlagen haben. Noch während die Beamten eine Straftat aufnahmen, seien sie „von Passanten bereits auf weitere Sachverhalte aufmerksam gemacht oder um Hilfe gebeten“ worden, heißt es. Oft sei es nötig gewesen, „die Strafverfolgung auf Personalienfeststellung und Anzeigenerstattung zu beschränken, um in parallel laufenden Ereignissen gefahrenabwehrend Eskalationen zu verhindern“.

„Jegliche sozial übliche Distanz unterschritten“

Dabei seien Einsatzkräfte „gezielt mittels massiven Pyrotechnik-Einsatzes sowie Flaschenwürfen an polizeilichen Maßnahmen gehindert“ worden. Die Polizei habe zudem das „bisher ungewohnte Phänomen“ wahrgenommen, dass „Gruppen von jungen Männern mit Migrationshintergrund gar keinen Respekt vor Frauen zeigten und jegliche sozial übliche Distanz unterschritten“.

Hätte die Düsseldorfer Polizei nicht bemerken müssen, dass es anders läuft wie sonst an Silvester? Die Innenstadt-Wache sei noch in der Nacht von Opfern, die Anzeige erstatten wollten, nahezu überrannt worden, heißt es im Ministerbericht. „Es kam zu Wartezeiten von teils mehr als einer Stunde.“ Dies aber könne „auch in einer warmen Sommernacht mal passieren, wenn die Altstadt voll ist“, betonte ein Polizeisprecher.

Auch in Dortmund und Bielefeld gab es laut Jäger in der Silvesternacht dutzende Übergriffe – die Tatverdächtigen kommen wie in Köln überwiegend aus Marokko und Algerien – einige auch aus Syrien und dem Irak.

30 Tatverdächtige in Köln

In Köln hat die Polizei 30 Tatverdächtige ermittelt. Der Jäger-Bericht liefert auch zu ihnen neue Erkenntnisse: Bis auf vier sind alle polizeibekannt – etwa wegen Diebstählen, Körperverletzung, Verstoß gegen das Aufenthaltsrecht. Ein 20-jähriger Algerier ist wegen eines Sexualdelikts vorbestraft. Bis auf einen Iraner stammen alle Verdächtigen aus Nordafrika, der Großteil aus Marokko und Algerien. Gegen sechs wird wegen der sexuellen Übergriffe ermittelt – den anderen jungen Männern im Alter zwischen 16 und 32 wirft die Polizei Körperverletzung, Raub, Hehlerei oder Diebstahl vor. Viele sind erst seit wenigen Monaten oder Wochen als Asylbewerber registriert, keiner lebt in Köln. Sieben Verdächtige sitzen momentan in U-Haft.

Nordrhein-Westfalen zieht laut Jäger besonders viele marokkanische Asylbewerber an – die Hälfte aller Marokkaner, die in Deutschland Asyl beantragen, lebe aktuell in NRW. Sie haben kaum Chance auf ein Bleiberecht. Bis aber über ihren Antrag entschieden sei, vergingen auf bis zu drei Jahre, kritisiert Jäger. „Das ist ein Anreiz zu kommen“, meint der Minister.


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