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Silvestereinsatz in Köln: Polizeigewerkschaften wehren sich gegen Kritik aus der Politik

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Kölner Polizei scharf kritisiert

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Kölner Polizei scharf kritisiert

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AFP

Köln -

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach den sexuellen Übergriffen in Köln an Silvester geäußerte Kritik an der örtlichen Polizei scharf zurückgewiesen. „Ich glaube nicht, dass es ein guter Stil ist, wenn der Bundesinnenminister in aller Öffentlichkeit die Landespolizei und die Einsatzleitung dort kritisiert. In dieser Weise pauschal über die Polizei in Köln herzufallen, das ist unanständig. Das gehört sich einfach nicht“, sagte DPolG-Chef Rainer Wendt am Mittwoch dem HR.

Wendt machte stattdessen de Maizière für die Situation in Köln mitverantwortlich. „De Maizière muss die Frage beantworten, wo eigentlich die vielen Bundespolizisten waren, die am Kölner Hauptbahnhof eigentlich auf dem Dienstplan stehen“, sagte er dem Sender am Mittwoch. Diese würden schon seit Monaten „zweckentfremdet“ in Bayern für die Grenzsicherung eingesetzt. De Maizière (CDU) hatte die Kölner Polizei am Dienstagabend heftig kritisiert. Es könne nicht sein, dass solche Ereignisse stattfänden „und man wartet auf Anzeigen“, sagte er in den ARD-„Tagesthemen“. „So kann Polizei nicht arbeiten.“

Für Aufsehen im Netz sorgt indes ein Facebook-Post von Thomas Mohr, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mannheim. Er habe lange überlegt, ob er sich zu den Vorfällen in Köln oder Stuttgart äußern solle, schreibt Mohr darin. „Aber was mich unheimlich aufregt sind Äußerungen von einigen Politikern, die gleich den Schuldigen gefunden haben! Die Polizei!“, so Mohr weiter. „Das ist unfassbar, dass gerade die Verursacher von stetigem Personalabbau bei der Polizei nun die ersten sind, die mehr Polizei fordern.“ Konkret bezieht sich Mohr auf einen „Politiker aus Köln, ich nenne bewusst mal nicht seinen Namen“. Mohr schildert weiter, dass besagter Politiker „nicht verstehen kann, dass die Polizei an Silvester so "schwach" (seine Worte) aufgestellt war“. Polizisten seien aber nur verfügbar, so Mohr, „wenn sie auch tatsächlich vorhanden sind“. Statt die Polizei „voreilig als Sündenbock“ auszuwählen, „wäre ein sachorientiertes und auf Fakten basierendes Handeln angebrachter“, fordert der Vorsitzende der GdP in Mannheim. Sein Facebook-Beitrag wurde bislang über 147.000 Mal geliked und 91.000 Mal geteilt.

Sehr geehrte Facebookgemeinde,ich habe mir lange überlegt, ob ich mich hier zu den Vorfällen in Köln oder Stuttgart äuß...

Posted by Thomas Mohr GdP-Vorsitzender Mannheim on Dienstag, 5. Januar 2016

Die schockierenden Übergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht hatten bundesweit nicht nur für Abscheu und Empörung, sondern auch Kritik an der Polizei ausgelöst. Aus einer Ansammlung von etwa 1000 Männern hatten sich am Hauptbahnhof mehrere Gruppen gebildet, die Frauen umzingelten, bedrängten und ausraubten. Die Zahl der Anzeigen stieg danach auf über 100. Mittlerweile hat die Kölner Polizei drei Tatverdächtige ermittelt. (cmi, dpa, afp)


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