10.01.2012

Spitzenkandidaten für die Linke: Die Alten wollen noch mal ran

Von Bernhard Honnigfort
Sie verstehen sich: Der Vorsitzende der Linken-Fraktion im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine (l.), und der Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Gregor Gysi.
Sie verstehen sich: Der Vorsitzende der Linken-Fraktion im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine (l.), und der Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Gregor Gysi.
Foto: dapd
Berlin –  

Gregor Gysi will es noch einmal wissen: Der 63-Jährige will mit Oskar Lafontaine in den Bundestagswahlkampf 2013 ziehen. Die Kandidatur des Saarländers für den Parteivorsitz gilt als sicher. Doch innerhalb der Linken gibt es Streit darüber, ob die Mitglieder zur neuen Führung befragt werden sollen.

„Ich will noch einmal volle Kante geben“, kündigte Gregor Gysi in der Zeitschrift SuperIllu an. Er wolle zur Bundestagswahl 2013 als Spitzenkandidat ins Rennen gehen. Außerdem hofft der 63-jährige Chef der Linken-Fraktion im Bundestag, dass Oskar Lafontaine ihm als Zugpferd zur Seite stehen wird. „Ich nehme an, Oskar ist dazu auch bereit“, so Gysi. Auf die Frage, ob der 68-Jährige auch wieder als Parteichef antreten werde, sagte Gysi: „All dies entscheidet er selbst.“

Damit dürften entscheidende Weichen innerhalb der Linken gestellt sein: Die Alten nehmen das Heft noch einmal in die Hand. Innerhalb der Fraktion gilt es derzeit als sehr wahrscheinlich, dass Lafontaine auch für den Parteivorsitz kandidieren wird.

Sollte er, gilt seine Wahl als sicher. „Lafontaine und Gysi sind die letzten Schwergewichte“, heißt es in der Fraktion. Die Linke, die bei der Bundestagswahl 2009 auf fast 12 Prozent kam und heute bei der Hälfte liegt, fürchtet das Schicksal der FDP, die ihre Führung verjüngte und ausgezehrt sowie ideenlos um ihre Existenz im Bundestag fürchtet.

Entscheidung über Mitgliederbefragung erwartet

Damit scheint alles weitere geklärt: Eine Mitgliederbefragung zur neuen Parteiführung, die im Juni auf einem Bundesparteitag in Göttingen gewählt werden soll, dürfte sich erübrigen. Das kürzlich vorgelegte Gutachten des Parteienforschers Martin Morlok und die Bewertungen des Abgeordneten Wolfgang Nešković legen einen Verzicht nahe, weil sie gegen Parteienrecht verstoße. Am Donnerstag befindet der geschäftsführende Parteivorstand darüber, ob es die Befragung geben wird. Ein Nein ist fast sicher.

Innerhalb der Linken gibt es Streit über die Frage, ob die Mitglieder über die neue Führung befragt werden sollen. Ursprünglich hatte Parteichef Klaus Ernst genau dies vorgeschlagen. Monatelang regte sich kein Widerstand dagegen. Als jedoch Ende November der frühere Geschäftsführer Dietmar Bartsch seine Kandidatur bekanntgab, schlug die Stimmung um, vermutlich weil der Ostdeutsche Bartsch bei einer Befragung der mehrheitlich ostdeutschen Linke-Mitglieder gute Chancen hätte. Mehrere Landes- und Kreisverbände fordern die Befragung.

Bartsch nicht erwünscht

Unter Parteimitgliedern ist es jedoch ein offenes Geheimnis, dass Lafontaine Bartsch nicht an der Spitze der Partei haben möchte. Bartsch versichert zwar, beide hätten nach einem Zerwürfnis im Jahr 2010, das mit der Entlassung Bartschs als Geschäftsführer endete, einen normalen Umgang gefunden. Doch scheint nicht vorstellbar, dass Lafontaine Bartsch als Parteichef möchte.

Außerdem müsste nach den Regeln der Linkspartei dem ostdeutschen Reformer Bartsch eine westdeutsche Fundamentalistin an die Seite gestellt werden. Eine solche Frau hat die Linke – abgesehen von Sahra Wagenknecht, die nicht kandidieren will – derzeit nicht.

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