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Steinbrück SPD: Vom Peitschen-Peer zum Prügelknaben

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Mit Vorträgen hat Steinbrück seit 2009 insgesamt rund 1,25 Millionen Euro verdient.
Mit Vorträgen hat Steinbrück seit 2009 insgesamt rund 1,25 Millionen Euro verdient.
Foto: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagt einen Vortrag bei einer Bank kurzfristig ab, nachdem es in dem Geldhaus eine Razzia wegen des Verdachts auf Steuerbetrug gegeben hatte.

Ein altgedienter Genosse flüchtet sich in den Galgenhumor: „Erst hatte er kein Glück. Jetzt kommt auch noch Pech dazu.“ So kann man die Sache wohl sehen. Drei Tage vor dem SPD-Parteitag in Hannover, auf dem Peer Steinbrück mit einer fulminanten Rede seinen vermurksten Start als Kanzlerkandidat vergessen machen möchte, poppt ein leidiges altes Thema wieder hoch. An diesem Donnerstag wollte Steinbrück in der Frankfurter Dependance der Schweizer Privatbank Sarasin eigentlich einen Vortrag halten. Am Mittwoch sagte er den Auftritt kurzfristig ab.

Steinbrück. Bank. Vortrag. Das ist an sich schon eine brisante Mischung, seit der Sozialdemokrat im Oktober offenlegen musste, dass er seit 2009 insgesamt rund 1,25 Millionen Euro mit derlei Referaten verdient hatte. Der Gedanke, dass die für einen Berufspolitiker ungewöhnlich provokant-inspirierenden Vorträge ihr Geld durchaus wert gewesen sein könnten, fand in der öffentlichen Debatte ebenso wenig Gehör wie Steinbrücks damalige Ankündigung, er sei vertraglich noch zu zwei weiteren Auftritten gezwungen und werde das Honorar spenden.

So war in der SPD-Spitze niemandem bewusst, dass an diesem Donnerstag der letzte Vortrag zur „Sicherheit und Stabilität für Europas Finanzmärkte“ bei der Privatbank Sarasin angesetzt war. Dummerweise meldete die Süddeutsche Zeitung kurz zuvor, bei eben jenem Geldhaus habe es eine Razzia wegen des Verdachts massiven Steuerbetrugs gegeben. Da zog der Ex-Minister die Notbremse und sagte den Termin ab.

Frage nach Fingerspitzengefühl

Zuvor schon hatte freilich mancher Sozialdemokrat die Augenbrauen hochgezogen. Eine derart heikle Verpflichtung kurz vor dem Parteitag? Hatte der Kandidat nicht am Montag eigens eine Reise nach Brüssel abgesagt, weil er sich ganz der Vorbereitung seiner Parteitagsrede widmen müsse? Das sei kein Widerspruch, kontert Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer. Den Standard-Vortrag zur Krise könne sein Chef „im Schlaf“ halten.

Trotzdem wird nun in der SPD erneut die Frage nach dem Fingerspitzengefühl des raubeinigen Kandidaten sowie seiner Berater gestellt. Und Unions-Fraktionschef Volker Kauder unterstellt Steinbrück offen, er wolle sich für die Zeit nach der drohenden Wahlniederlage bei den Banken einschmeicheln. Ein bemerkenswerter Vorwurf. Schließlich hatte Kauder Steinbrück 2009 noch vorgehalten, seine Attacken auf die Schweizer Banken schadeten dem Ansehen der Bundesrepublik. Damals nannte die Boulevardpresse den Finanzminister „Peitschen-Peer“. Inzwischen steckt Steinbrück den größten Teil der Prügel selber ein.

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