blz_logo12,9

Studie: Weniger Glücksspiel, nicht weniger Spielsüchtige

Sportwetten

Bei den 18 bis 20-jährigen Männern hat die Teilnahme an illegalen Sport-Wetten drastisch zugenommen.

Foto:

dpa

Berlin -

In Deutschland wird zwar weniger bei Glücksspielen gezockt, die Zahl der Spielsüchtigen hat sich aber kaum verändert. Das geht aus der regelmäßigen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über die Verbreitung des Glücksspiels hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für die Untersuchung, die seit 2007 das fünfte Mal erschienen ist, wurden 23 Arten des Glücksspiels untersucht, angefangen von Rubbellosen über Lotterien bis hin zu Spielautomaten.

Befragt wurden rund 11.500 Menschen zwischen 16 und 70. Die positive Nachricht: Der Anteil derer, die in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal gezockt haben, sank 2015 auf 37,3 Prozent. 2013 waren dies noch mehr als 40 Prozent und 2007 noch 55 Prozent. Erstmals seit Beginn der Befragungen wird auch weniger an Geldspielautomaten gedaddelt. Der Anteil der Automatenspieler sank zwischen 2013 und 2015 von 3,7 auf 2,6 Prozent.  Die BZgA-Experten führen das unter anderem auf die Anstrengungen der Kommunen zurück, Spielhallen zurückzudrängen.

Junge Männer besonders anfällig

Besonders anfällig für Glücksspiele sind nach wie vor junge Männer. „Das Glücksspielverhalten junger Männer in Deutschland bietet weiterhin Anlass zur Sorge“, erklärte Peter Lang von der BZgA. So nahm bei den 18- bis 20-Jährigen beispielsweise die Teilnahme an illegalen Sportwetten im Internet oder in Wettbüros sprunghaft zu. Lag der Anteil 2013 nur bei 5,7 Prozent, waren es im vergangenen Jahr schon 12,8 Prozent. Bei jungen Männern mit Migrationshintergrund beträgt der Anteil sogar fast 19 Prozent.  Da in Deutschland der Staat das Glücksspielmonopol besitzt, sind Wetten bei anderen Anbietern in der Regel illegal. Die eigentlich geplante Vergabe von Konzessionen kommt wegen gerichtlicher Auseinandersetzungen seit Jahren nicht voran.

Nach wie vor zeigt sich, dass bei Männern jeden Alters aus dem Freizeitvergnügen schnell eine Sucht werden kann. Die Experten unterscheiden hier zwischen Menschen mit einem problematischen und einem krankhaften Glücksspielverhalten. Ihr Gesamtanteil ist bei Männern mehr als fünfmal so hoch wie bei Frauen, wobei der Anteil bei Frauen gleichsam gegen Null geht.  Der Studie zufolge liegt die Zahl der problematischen und krankhaften Spieler in Deutschland hochgerechnet bei bis zu 650 000 Menschen.  Die Zahl hat sich gegenüber der letzten Befragung praktisch nicht geändert. Fast die Hälfte der krankhaften Spieler ist abhängig von Geldspielautomaten. Auch Sportwetten gelten als besonders risikoreich für die Ausbildung einer Sucht. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören junge Männer bis 25 Jahre mit einem niedrigen Bildungsstatus und Migrationshintergrund.

Branche setzt 33 Millionen Euro pro Jahr um

Erschreckend ist weiterhin das schiere finanzielle Ausmaß des Glückspiels: Pro Jahr setzt die Glücksspiel-Branche in Deutschland etwa 33 Milliarden Euro um. Gut 19 Milliarden Euro entfallen auf die Geldspielautomaten.  Die aktuelle Studie zeigt, wo das Geld herkommt: Gut jeder siebte Befragte gibt demnach bis zu zehn Euro monatlich für Glücksspiele aus, mehr als 13 Prozent setzen zehn bis 50 Euro. Vier Prozent verzocken im Monat 50 bis 100 Euro und fünf Prozent sogar mehr als 100 Euro. Als Hauptgrund für das Spielen wurde in der Befragung der erhoffte Geldgewinn angegeben -  knapp 70 Prozent lassen sich davon locken.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?