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Terroranschlag: „Man sollte jeden Glauben verachten“

Oliver Maria Schmitt ist auch Mitglied von „Die Partei“

Oliver Maria Schmitt ist auch Mitglied von „Die Partei“

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dpa

Herr Schmitt, Witz kann tödlich sein, aber er bringt niemanden um. Warum dieser Hass – zumal islamistischer Terroristen – vor allem auf Karikaturisten?

Schwer zu sagen, ich bin kein Irrenarzt. Hassen kann man immer nur, was man nicht kennt, siehe Pegida und der Dresdner Ausländerhass ohne Ausländer. Ich vermute, dass islamistische Killer, wie auch ihr Umfeld, strohdumm sind und mit den zivilisatorischen Errungenschaften Aufklärung, Kritik, Witz, Ironie und schiefere Bedeutung nichts anfangen können. Die dürfen ja nur den Koran lesen, und der enthält kaum brauchbare Bildwitze.

Das Ziel solcher Anschläge ist klar: Einschüchterung der Presse. Selbstverständlich werden die Medien jetzt wieder versichern, sich nie und nimmer einschüchtern zu lassen. Hätten Sie sich als Chefredakteur der Titanic von Anschlägen wie diesem beeindrucken lassen?

Hätte, hätte, hätte. Nach den Bedrohungsanrufen, die zu meiner Zeit als Chefredakteur eingetroffen sind, haben wir ungerührt weiter schlechte Witze gemacht und sofort unbefristete Urlaubsanträge eingereicht.

Charlie Hebdo hat sich in den vergangenen Jahren mit fast allen gesellschaftlichen Gruppen angelegt, auch mit den Katholiken, besonders hingebungsvoll aber mit dem Islam. Eine Hacker-Gruppe hatte bereits vor mehreren Jahren ein Attentat im Namen des Propheten auf die Redaktion von Charlie Hebdo angedroht.  Wenn solche Attentate sogar angekündigt werden, empfiehlt sich da nicht vielleicht doch eine gewisse Zurückhaltung?

Nein, denn selbst seriös vorgebrachte Attentatsandrohungen stehen unter Irrtumsvorbehalt. Als Papst Ratzinger 2012 wegen meines Titelbildwitzes gegen die Titanic klagte und uns kreuzigen lassen wollte, zog er Wochen später die Klage wieder zurück. Für einen unfehlbaren Mann ein Armutszeugnis. Daher wird die Titanic weder Bedrohungen noch sonst irgendwas ernst nehmen.

Kennen Sie die Redaktion von Charlie Hebdo? Mehrere Zeichner, aber auch der Herausgeber wurden ermordet. Lässt sich die Arbeit jetzt überhaupt noch fortsetzen?

Ich kenne keines der beklagenswerten Opfer persönlich und kann weder in deren, noch im Namen der Redaktion sprechen. Aber wenn Allah tatsächlich groß ist, dann wird er Charlie Hebdo so lange regelmäßig weitererscheinen lassen, bis auch der letzte Koran, die letzte Bibel und die letzte Thorarolle wegen Menschenfeindlichkeit eingestampft worden sind.

Wenn sich herausstellen sollte, dass tatsächlich islamistische Terroristen die Täter waren, dürfte das nicht nur Pegida enormen Zulauf bescheren, sondern eventuell das gesellschaftliche Klima nicht nur in Frankreich, auch in der Bundesrepublik verändern. Droht eine Verschärfung der Islamophobie?

Nach Heiner Müller sind zehn Deutsche immer dümmer als fünf Deutsche, insofern wird jeder weitere Zulauf der Pegida immer weiteres Idiotenmaterial zuführen. Gegen Islamophobie habe ich persönlich nichts – man sollte aber jeden Glauben verachten.

Das Gespräch führte Christian Bommarius


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