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Tod von Oury Jalloh: Geldstrafe im Jalloh-Prozess gefordert

Magdeburg –  

Der Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh geht nach zwei Jahren seinem Ende entgegen. Die Staatsanwaltschaft fordert vor dem Magdeburger Landgericht eine Geldstrafe für den angeklagten Polizisten.

Der aus dem westafrikanischen Sierra Leone stammende Asylbewerber Oury Jalloh war am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle gestorben. Er soll dort angeblich eigenhändig mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er gefesselt war. Er starb binnen zwei Minuten durch die heißen Rauchgase an einem sogenannten Inhalationshitzeschock. Jalloh war auf das Polizeirevier gebracht worden, weil er unter Alkohol- und Drogeneinfluss zwei Frauen belästigt haben soll.

"Tötung durch Unterlassen"

Vor dem Magdeburger Landgericht forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Geldstrafe für den angeklagten Polizisten. Der Angeklagte Andreas S. habe sich der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen schuldig gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner in seinem Plädoyer. Der Angeklagte Andreas S. hätte ohne Zögern auf den Feueralarm in der Gewahrsamzelle des Dessauer Polizeireviers reagieren und alles zur Rettung von Oury Jalloh unternehmen müssen. „Das wäre seine Pflicht gewesen.“

Der damalige Dienstgruppenleiter des Polizeireviers Dessau soll den Feueralarm laut Anklage zunächst zweimal ausgeschaltet haben, ohne dem auf den Grund zu gehen. Als dann schließlich doch die Zelle geöffnet wurde, sei Oury Jalloh bereits gestorben gewesen, sagte Preissner.

Freispruch im ersten Verfahren

Die Plädoyers von Verteidigung und Nebenklage sollen in der kommenden Woche gehalten werden, das Urteil wird noch für Dezember erwartet. In einem ersten Verfahren vor dem Landgericht Dessau war der angeklagte Polizist freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob den Freispruch später aber wegen erheblicher Lücken in der Beweiskette wieder auf.

In dem neuen Verfahren vor dem Landgericht Magdeburg musste sich Andreas S. deshalb zunächst wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Dieser Vorwurf habe im Laufe des Verfahrens aber nicht bewiesen werden können, sagte Preissner am Dienstag.

Während des im Januar 2011 begonnenen neuen Prozesses in Magdeburg waren erneut zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört worden. Unter anderem stellten Brandexperten durch Versuche in der Dessauer Polizeizelle das Geschehen nach, um herauszufinden, ob Jalloh die Matratze selbst anzünden konnte.

Die Nebenklage, die die Mutter und den Bruder Jallohs vertritt, bezweifelt dies. Aus ihrer Sicht könnten auch Dritter das Feuer entzündet haben. Die Staatsanwaltschaft sieht für diese Theorie dagegen keine Hinweise. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Dritte an der Entstehung des Feuers beteiligt gewesen seien, sagte Preissner.

Einen Antrag der Nebenklage, ein ergänzendes Brandgutachten einzuholen, lehnte das Gericht am Dienstag ab. Der Prozess wird auch von Menschenrechtsgruppen und der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh beobachtet. (afp)

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