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Berliner Zeitung | Tortenwurf auf AfD: Aber bitte mit Sahne!
01. March 2016
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Tortenwurf auf AfD: Aber bitte mit Sahne!

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Beatrix von Storch beim AfD-Bundesparteitag am 29. November 2015.

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dpa

"Die AfD läuft Gefahr, einen tortalen Krieg auszulösen", heißt es im Bekennerschreiben von Peng Collective. Die Aktionskünstler überraschten deren Berliner Landesvorsitzende Beatrix von Storch am Sonntag mit einem Tortenwurf ins Gesicht: Irgendwie hatten sie es geschafft, einen falschen Clown in eine Kasseler AfD­Sitzung zu schmuggeln. Und einen zweiten Mann, der das Ganze filmte. Das Beweisvideo für ihre Tat machte schnell im Netz die Runde.

"Sogenannte besorgte Bürger sind die steinerne Grabplatte, unter der Demokratie und Menschenrechte begraben liegen", schreiben die Peng­Macher auf einer eigens für die Guerilla­Aktion eingerichteten Webseite. "Die Torte ist das Stemm­Eisen, mit dem man diese Grabplatte lüften kann."

In ihrem Pamphlet bedient sich Peng Collective genau derselben Rhetorik, mit der auch die Alternative für Deutschland in ihrer Flüchtlingspolitik auf Stimmenfang geht: "Wer den moralischen Grenzübertritt verhindern will, muss notfalls auch von der Sahnetorte Gebrauch machen. So steht es im Gesetz. Denn wer das HALT an unserer ethisch­moralischen Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen.”

Soweit, so humorvoll. Beatrix von Storch ­ zuletzt wegen ihrer Vorliebe zum Schusswaffengebrauch gegen Frauen und Kinder im Gespräch ­ scheint die "Kriegserklärung" allerdings sehr ernst zu nehmen: "Das war ein Angriff auf die Bundesprogrammkommission der AfD. Wer keine Argumente hat, der verbrennt Autos, zerstört Plakate oder stört Versammlungen", sagte sie der Berliner Zeitung.

Haben wir da vielleicht was nicht mitbekommen? Steckt etwa der Clown von Peng hinter den Zündeleien am Berliner Gleisdreieckpark ­ und nicht das "Kommando Klaus Jürgen Rattay"? Und was hat das eine überhaupt mit dem anderen zu tun?

Fakt ist: Die AfD ­ und alle ihre Anhänger ­ leiden ganz offenbar unter einer Clown­Allergie. Das bekam schon der ZDF­Reporter Ralf Kabelka zu spüren, der sich bei einer Berliner AfD­Demo im Clownskostüm unter das protestierende Volk gemischt hatte.

Was lustig gemeint war, kam bei einigen Demonstranten ganz anders an. Beinahe wäre die Situation eskaliert. Auch ohne Clownskostüm werden bei solchen netten Zusammenkünften übrigens immer wieder Journalisten angegriffen, sodass zuletzt sogar der Deutsche Journalisten­Verband (DJV) einen besseren Schutz von Berichterstattern gefordert hatte. Was ist dagegen schon eine leckere, weiche Sahnetorte? Immerhin waren es keine faulen Eier oder Tomaten, wie sie dieser Tage so oft auf die Mitglieder der Bundesregierung fliegen.

Auf Sahne statt auf „Maus ausgerutscht“

Pressesprecher Christian Lüth ist trotzdem erzürnt: "Wir haben einen weiteren geschmacklosen Angriff auf die AfD erlebt. Die dumpfen Linken wissen sich angesichts unserer Erfolge nicht mehr anders als durch billigen Vandalismus zu wehren. Einfach widerlich und ein Offenbarungseid für deren Demokratieverständnis."

Liebe AfDler, sehen Sie es doch mal positiv. Das nächste Mal, wenn sich Ihre Partei einen rhetorischen Totalausfall leistet ­ wir denken da an den Fall mit der Computermaus ­ können Sie einfach behaupten, Sie seien auf einer Sahnetorte ausgerutscht.


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