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Trisomie 21: "Praena-Test" auf Down-Syndrom ist illegal

Sportlerin Marlene Hilscher ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen.

Sportlerin Marlene Hilscher ist mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen.

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dapd

Ein für Juli angekündigter neuer Bluttest zur Diagnose des Down-Syndroms bei Embryos ist einem Gutachten zufolge rechtlich unzulässig. „Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken“, erklärte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, am Donnerstag bei der Vorstellung des Rechtsgutachtens in Berlin. Dieses komme zu dem Schluss, dass der Test damit kein zulässiges Diagnosemittel laut dem Gendiagnostikgesetz sei. „Es geht beim Bluttest fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom“, kritisierte Hüppe.

Bei dem sogenannten Praena-Test handele es sich zudem um nicht verkehrsfähiges Medizinprodukt, da es die Sicherheit und Gesundheit der Ungeborenen gezielt gefährde, geht ferner aus dem Gutachten hervor. Hüppe kritisierte, der Test diskriminiere Menschen mit dem Down-Syndrom „in der schlimmsten Form, nämlich in ihrem Recht auf Leben“.

Abtreibung bei Diagnose Down-Syndrom die Regel

Bereits heute werde in mehr als 90 Prozent aller Fälle abgetrieben, wenn ein Down-Syndrom beim Kind diagnostiziert wird. Da es sich um ein nicht verkehrsfähiges Medizinprodukt handle, seien die zuständigen Landesbehörden per Gesetz ermächtigt, zu verhindern, dass der Test in Verkehr gebracht werde, sagte Hüppe.

Die Konstanzer Firma LifeCodexx will voraussichtlich noch im Juli den Test auf den Markt bringen, der das Down-Syndrom - auch Trisomie 21 genannt - schon in einer Blutprobe der Schwangeren erkennt und riskante Fruchtwasseruntersuchungen in vielen Fällen überflüssig machen soll. Im Blut von schwangeren Frauen finden sich Teile der Erbinformation des Embryos, die im Labor analysiert und auf Hinweise einer Chromosomenveränderung abgesucht werden. Beim Down-Syndrom liegt das Chromosom 21 drei statt zwei Mal vor.

"Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom"

Der Test kann nach Unternehmensangaben die Trisomie „risikofrei“ und „zuverlässig“ erkennen. Es sei zu befürchten, dass „die Rasterfahndung nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt wird“, erklärte Hüppe. Müttern werde eine risikoärmere Methode zur vorgeburtlichen Diagnostik vorgegaukelt. Dabei gingen nicht einmal alle Pränataldiagnostiker davon aus, dass invasive Methoden wie eine Fruchtwasseruntersuchung durch den Bluttest überflüssig würden.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery verteidigte hingegen den neuen Bluttest für Schwangere. „Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Daher sei es besser, diesen Bluttest anzuwenden, als eine mit Risiken behaftete Fruchtwasseruntersuchung vorzunehmen.

Der Bluttest soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen, der Test ist keine Kassenleistung. Der Praena-Test ist nach Unternehmensangaben für Frauen ab der zwölften Schwangerschaftswoche gedacht, bei denen ein erhöhtes Risiko für Chromosomenveränderungen beim Embryo besteht. Zudem müssen sich die Frauen gemäß Gendiagnostikgesetz von einem qualifizierten Arzt beraten und aufklären lassen. (afp)


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