12.01.2012

US-Vorwahlen: Mitt Romney kann hoffen

Von Andreas Geldner
        

Zweite Vorwahl, zweiter Sieg für Mitt Romney.
Zweite Vorwahl, zweiter Sieg für Mitt Romney.
Foto: DAPD/Charles Dharapak
Manchester –  

Der Pragmatiker der US-Republikaner siegt auch bei den Vorwahlen in New Hampshire. Er wird damit immer mehr zum Favoriten für das Rennen ums Präsidentenamt.

An diesem Abend des Triumphes entdeckt Mitt Romney, dass ein bisschen von Barack Obama in ihm steckt. Das bedeutet nicht, dass er am amtierenden Präsidenten auch nur ein gutes Haar lässt. Dass Obama die USA an den Abgrund führt oder – schlimmer noch – zu einer Art Europa jenseits des Atlantik machen will, gehört zur republikanischen Wahlkampfrhetorik. Doch Romney gebraucht nach seinem klaren Erfolg in New Hampshire ähnlich pathetische Worte wie Obama nach seinen Vorwahlsiegen vor vier Jahren. „Wir haben Geschichte geschrieben“, sagt der Ex-Gouverneur von Massachusetts: „Unsere Hoffnung ist größer und besser als diese schwierigen Zeiten.“

Marathon der Kandidaten

Der nächste Präsident der USA wird am 6. November dieses Jahres gewählt. Bei den Demokraten steht der Kandidat mit Amtsinhaber Barack Obama bereits fest.

Welcher Republikaner ihn herausfordern darf, entscheidet sich in einem langen Prozess von Primaries oder Caucuses in den einzelnen Bundesstaaten.

Die ersten beiden Runden in Iowa und New Hampshire gewann Mitt Romney. Die nächsten wichtigen Termine sind der 31. Januar mit der Vorwahl in Florida und der „Super-Dienstag“ am 6. März mit Primaries und Caucuses in mehr als zehn Bundesstaaten. Die letzte Vorwahl findet am 26. Juni in Utah statt.

Der Parteikonvent der Republikaner, auf dem der Sieger der Vorwahlen zum Kandidaten gekürt wird, findet vom 27. bis zum 30. August in Florida statt.

Die Demokraten werden Obama auf ihrem Konvent vom 3. bis zum 6. September in North Carolina offiziell zu ihrem Kandidaten küren.

Seit 1980 hat kein republikanischer Kandidat, der nicht als Präsident zur Wiederwahl anstand, die Vorwahlen in Iowa und New Hampshire hintereinander gewonnen. Das ist für Romney epochal genug. Fast vierzig Prozent der Stimmen können sich sehen lassen.

Auch das übrige Feld hat sich aus seiner Sicht optimal aufgereiht: Auf Rang zwei ist der Kongressabgeordnete Ron Paul gelandet, der viel zu exzentrische Positionen vertritt, als dass er jemals die Mehrheit der Partei hinter sich vereinigen könnte. Und Rick Santorum, der Zweitplatzierte von Iowa, ist diesmal nur Fünfter geworden. Der konservative Parteiflügel geht also genauso zersplittert wie bisher in die nächsten Vorwahlen – ein Vorteil für den nach republikanischen Kriterien eher gemäßigten Romney.

Wie nervös Romney bis zuletzt war, zeigt sich an dem Ort, den er für den Wahlabend angemietet hat. Aus lauter Angst, nicht die nötigen Bilder von einer gedrängt stehenden, jubelnden Menge liefern zu können, hat er sich für einen Saal entschieden, der sich nun als viel zu klein herausstellt. Viele seiner Anhänger müssen abgewiesen werden.

So zeigt sich auch in New Hampshire wieder, dass Romney noch kräftig zulegen muss, wenn er Barack Obama jemals gefährlich werden will. Wie schwer er sich damit tut, seine potenziellen Wähler mitzureißen, war kurz vor dem Vorwahl-Tag in einer Grundschule in Bedford im Süden des Bundesstaates zu besichtigen. Ein paar hundert Menschen reckten ratlos die Hälse, als zu Beginn der Wahlveranstaltung Romneys Stimme erklang, der Kandidat selbst aber nicht zu sehen war. Wie sich herausstellte, hatte sich Romney ein klein wenig verspätet, und um das Publikum nicht warten zu lassen, hatte er eine Ansage per Tonband vorbereitet. Welcher andere Kandidat wäre wohl auf eine solche Idee gekommen?

Als Romney endlich im weißen Hemd und ohne Krawatte auf die Bühne sprang, war schon alles zu spät. Als er von seiner Liebe zu New Hampshire sprach – kein See, kein Skigebiet, mit dem ihn nicht irgendwelche sentimentalen Urlaubserinnerungen verbinden –, wanderte sein Blick zwar in jeden Winkel des Saales, doch über das Publikum schien er hinwegzublicken.

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