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Wahlkampf auf Facebook und Twitter: So kämpfen Obama und Romney im Netz

Barack Obama und Mitt Romney während der zweiten TV-Debatte.

Barack Obama und Mitt Romney während der zweiten TV-Debatte.

Foto:

dapd

Geht es nach Facebook oder Twitter, dann muss sich der amtierende US-Präsident Barack Obama keine Sorgen machen - er liegt klar vor seinem Herausforderer Mitt Romney, was die Zahl der "Fans" und "Follower" angeht. 2008 setzte Obama als erster Präsidentschaftskandidat massiv auf das Internet und Social Media im Wahlkampf - 66 Prozent der 18- bis 29-jährigen US-Bürger gaben ihm ihre Stimme. Teilweise ist im Netz von der ersten "social media election" die Rede, von der ersten Wahl, die durch Social Media mitentschieden wurde.

Nach dem durchschlagenden Erfolg des Internetwahlkampfs 2008 war klar, dass der republikanische Präsidentschaftsbewerber den Amtsinhaber auch online angreifen muss.

Gerade Facebook, das soziale Netzwerk, das erst im Oktober die Marke von einer Milliarde aktiver Mitglieder erreichte, spielt im Wahlkampf eine große Rolle: Amerikanische Forscher haben nachgewiesen, dass eine einzige Facebook-Nachricht das Wahlverhalten von Tausenden von Menschen und ihren Freunden beeinflussen kann. Dazu kommt, dass rund 167,5 Millionen US-Amerikaner auf Facebook aktiv sind - also über die Hälfte der Einwohner des Landes. Etwa 100,5 Millionen von ihnen sind zwischen 18 und 44 Jahren alt.

Obama vs. Romney auf Facebook

Selbstverständlich sind Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney auf Facebook vertreten – und die Anzahl der "Fans" spricht hier eine ganz klare Sprache: Obama liegt mit gut 31,7 Millionen Fans deutlich vor Romney, der bisher immerhin 11,8 Millionen Facebook-Fans sammeln konnte. Beim Blick auf die Inhalte fällt auf, dass das Team von Barack Obama häufig mit Infografiken und Bildern mit politischem Inhalt arbeitet. Obamas Team weiß ein Facebook-Phänomen geschickt auszunutzen: Bilder werden häufig geteilt - so verbreiten sich auch die politischen Statements, die auf den Bildern zu sehen sind, rasend schnell viral auf Facebook.

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Während Obamas Team die Fans häufig auffordert, die Botschaft an Freunde weiterzutragen, versucht Romneys Team meist, die eigenen Fans zu überzeugen. Auf Romneys Facebook-Seite fällt außerdem auf, dass er massiv Obamas Politik angreift. Immer wieder werden Romneys Positionen in Statusmeldungen verkündet, Werbung für Kleidungsstücke und Aufkleber mit dem Logo des republikanischen Kandidatenduos sind immer wieder zu sehen.

Die Zahlen zeigen überraschendes

Obwohl Obamas Team es besser versteht, die Inhalte viral zu verbreiten, zeigt der Blick auf die nackten Zahlen überraschendes: Auf der Facebook-Seite von Mitt Romney findet - im Verhältnis zur Zahl der Fans - wesentlich mehr Interaktion statt. Laut einer Analyse des Statistik-Anbieters Socialbakers werden die Facebook-Einträge der Obama-Seite allerdings wesentlich häufiger geteilt als die Einträge des Kontrahenten. Gleichzeitig ist das Fan-Wachstum auf Romneys Seite um einiges höher als das seines Konkurrenten.

Auch die Frauen der beiden Bewerber um das Präsidentschaftsamt haben Facebook-Seiten, die sie nutzen, um für ihre Männer zu werben. Die Seite der First Lady wird - wie auch die Facebook-Seite ihres Mannes - von einem Team betreut, während es zumindest so wirkt, als würde Ann Romney ihre Facebook-Seite selbst mit neuen Informationen bestücken.

Auch bei den Frauen liegt die Amtsinhaberin vorne: First Lady Michelle Obama hat 8,6 Millionen Facebook-Fans, Ann Romney nur 411.000. Bezieht man aber die Interaktionsraten in die Betrachtung mit ein, liegt die Frau des republikanischen Herausforderers weit vorne - genau wie auch ihr Mann.

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Obama vs. Romney auf Twitter

Dass die US-Wahl ein wichtiges Thema auf Twitter ist, zeigen die offiziellen Zahlen: An einem Tag werden laut Twitter rund 400 Millionen Tweets verschickt. Die erste TV-Debatte löste auf Twitter 10,3 Millionen Tweets in 90 Minuten aus, über das zweite TV-Duell wurde in 90 Minuten immerhin noch 7,2 Millionen mal getwittert.

Betrachtet man die Twitter-Accounts von Obama und Romney, sieht es ähnlich aus wie auf Facebook: Obama liegt, was die Follower-Zahlen angeht, haushoch in Führung. Ihm folgen gut 21,7 Millionen Twitterer, während Mitt Romney nur 1,6 Millionen Follower hat. Socialbakers hat herausgefunden, dass Obamas Zahl der Twitter-Follower drei Mal schneller als die Zahl seiner Facebook-Fans wächst. Dafür werden die Tweets, die über Romneys Account abgesetzt werden, etwas häufiger weiterverbreitet.

Unterschiedliche Inhalte auf Twitter

Die Inhalte, die beide Kandidaten auf Twitter teilen, unterscheiden sich sehr: Während Obamas Team vermehrt Bilder twittert und die Follower direkt anspricht, werden über Romneys Account hauptsächlich Wahlkampf-Statements mit Links zur Website des republikanischen Kandidaten verschickt. Auch hier attackiert Romney Obama und seine Politik sehr direkt. Ob der republikanische Präsidentschaftskandidat selbst twittert oder ob ein Team hinter dem Twitter-Account steht, bleibt offen. Auf Obamas Account wird deutlich: hier twittert ein Team, Tweets des Präsidenten sind gekennzeichnet.

Im Sommer gab es Gerüchte: Der Twitter-Account Mitt Romneys hatte innerhalb eines Tages über 100.000 neue Follower gewonnen. Die Studie eines IT-Spezialisten zeigte, dass es sich bei vielen der Follower um Bots handelte. Ob die Follower gekauft wurden und wer dahinter steckte, ließ sich nicht herausfinden.

Auch auf Twitter haben die Frauen der Präsidentschaftsbewerber ihre eigenen Accounts. Hier sieht es ähnlich aus wie bei den Twitter-Accounts der Männer: Der Account von Michelle Obama (2 Millionen Follower) wird vom Wahlkampfteam geführt, eigene Beiträge der First Lady sind gekennzeichnet. Getwittert werden in erster Linie Wahlkampf-Statements, Fotos und Aufforderungen an die Follower, wählen zu gehen.

Der Twitter-Account von Ann Romney (163.000 Follower) wirkt dagegen wesentlich persönlicher, er wird offensichtlich von ihr selbst geführt. Sie schreibt dort in 140 Zeichen von Veranstaltungen, die sie besucht hat, erklärt, warum ihr Mann der bessere Präsident ist und verbreitet Wahlkampf-Statements.

Follower und Fans wählen nicht unbedingt

Festzuhalten bleibt: schaut man nur auf die Zahlen der "Follower" und "Fans", liegt Barack Obama uneinholbar weit vor Mitt Romney und auch die First Lady liegt weit vor Ann Romney. Insgesamt machen Obama und sein Team die bessere Figur in den sozialen Netzwerken, sie wissen die Eigenheiten der Plattformen besser zu nutzen. Doch eins darf man beim Blick auf die Zahlen keineswegs vergessen: Ein Twitter-Follower oder Facebook-Fan ist noch lange kein Wähler. Wer weiß schon, wie viele der Follower und Fans überhaupt in den USA wahlberechtigt sind?


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