18.01.2012

Wulff-Affäre: Kai Diekmann und der Rat seiner Freunde

Christian Wulff und Kai Diekmann 2006 beim Sommerfest der Bild.
Christian Wulff und Kai Diekmann 2006 beim Sommerfest der Bild.
Foto: dpa/Soeren Stache

Der Bild-Chefredakteur beantwortet Fragen der taz zu seinem Umgang mit Wulffs Mailbox-Nachricht. Doch an den entscheidenden Stellen bleiben die Erklärungen vage.

Die Rolle von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann in der Affäre um die Mailbox-Nachricht von Bundespräsident Christian Wulff bleibt unklar. Zumindest sieht das die Berliner tageszeitung (taz) so, die berichtet, Diekmann habe sich am Montag wie angekündigt bei ihr gemeldet. Die taz hatte ihm 15 Fragen geschickt zum Umgang von Bild mit der Nachricht, die Wulff am 12. Dezember auf Diekmanns Handy-Mailbox hinterlassen hat. Diese Fragen hat Diekmann beantwortet, doch die Pressestelle des Axel-Springer-Konzerns bleibe „an den entscheidenden Stellen vage“, schreibt die taz, die die Antworten auf ihrer Internetseite dokumentiert.

Wulff-Karikaturen

Bildergalerie ( 14 Bilder )

So wollte die Zeitung von Diekmann wissen, warum Bild die Nachricht von Wulff nicht sofort veröffentlicht hat, immerhin ging es um eine versuchte Einflussnahme auf die Berichterstattung. Für Bild standen zu diesem Zeitpunkt die Hintergründe von Wulffs Hauskredit im Mittelpunkt, antwortet Bild. Kai Diekmann habe noch am Abend des 12. Dezember, „wie von Christian Wulff erbeten“, ausführlich mit dem Chef des Bundespräsidialamtes, Staatssekretär Hagebölling, telefoniert. Dabei habe Diekmann „ihm ausführlich erläutert, warum wir veröffentlichen und warum es keinen Anlass für eine nochmalige Verschiebung gibt“. In der Redaktion sei über den „Wut-Anruf“ Wulffs diskutiert worden. Bevor man sich jedoch ein abschließendes Urteil zum Umgang damit habe bilden können, habe sich Wulff zwei Tage später bei einem erneuten Anruf entschuldigt für seine Nachricht. „Von diesem Zeitpunkt an wurde der Vorgang nicht weiter verfolgt“, heißt es in der Mitteilung. Rechtliche Bedenken gegen eine Veröffentlichung habe es nicht gegeben.

Bild will sich Finger nicht schmutzig machen

An dieser Darstellung äußert die taz Zweifel, seien doch Auszüge aus der Nachricht bei der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelandet, die Anfang Januar über die Mailbox-Nachricht zunächst verklausuliert und dann immer deutlicher berichteten. Diekmann habe den Inhalt der Nachricht gezielt lanciert, „damit andere berichteten und sich die ‚Bild‘ nicht die Finger schmutzig machen musste“, mutmaßt die taz. Chefredakteurin Ines Pohl sagt: „Nicht die Aufklärung, sondern die quotenträchtige Hinrichtung scheint doch in diesem Fall sehr offensichtlich eine große Rolle zu spielen.“

In der Darstellung von Bild liest sich das freilich anders. Diekmann und die Redaktion hätten sich die Entscheidung, wie man mit dem Telefonanruf umgehen soll, nicht leicht gemacht und daher auch die Meinungen anderer Journalisten eingeholt. Diekmann habe persönlich mit zwei Journalisten anderer Zeitungen über den Anruf gesprochen und ihnen auch eine Abschrift der Mailboxnachricht zukommen lassen. Der eine Journalist habe empfohlen, die Nachricht zu veröffentlichen, der andere habe davon abgeraten. „Sie erkennen, dass der richtige Umgang mit dieser Situation alles andere als eindeutig war“, schreibt der Springer-Verlag.

Auch der Darstellung, Bild-Redakteure hätten den Auftrag gehabt, Teile der Nachricht an Kollegen anderer Medien gezielt durchzustechen, widerspricht Bild. Nachdem Bild Wulff eine Abschrift seiner Nachricht zukommen ließ, hätten sich Medienanfragen in der Springer-Pressestelle gehäuft. „In Gesprächen wurden einige der bereits bekannten Passagen erläutert“, schreibt Springer.

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