04.02.2012

Wulff-Affäre: Mehrheit der Deutschen für Wulffs Rücktritt

Von Markus Decker
Christian Wulff.
Christian Wulff.
Foto: dpa

Der Deutschlandtrend zeigt: Erstmals spricht sich die Mehrheit der Deutschen für einen Rücktritt von Christian Wulff aus. Auch Kurt Beck (SPD) und Cem Özdemir (Grüne) stehen in der Kritik.

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist inzwischen für einen Rücktritt des Staatsoberhauptes. Das hat eine Umfrage im Auftrag der ARD ergeben. Ihr zufolge sprechen sich 54 Prozent für einen Rückzug Christian Wulffs infolge der jüngsten Affären um seine Person und seinen ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker aus. Lediglich 16 Prozent halten ihn noch für ehrlich. Zugleich findet aber eine klare Mehrheit von 65 Prozent den Bundespräsidenten unverändert sympathisch. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover liegen, wie gestern bekannt wurde, bereits 100 Strafanzeigen gegen den 52-Jährigen vor.

Unterdessen zieht die Affäre um den Event-Manager Manfred Schmidt auch bei SPD und Grünen Kreise. Schmidt hatte im Auftrag Baden-Württembergs und Niedersachsens den „Nord-Süd-Dialog“ organisiert. Glaeseker soll ihm dabei geholfen und im Gegenzug unentgeltlich Urlaube in Feriendomizilen von Schmidt gemacht haben. Allerdings nahmen auch andere Politiker Schmidts Dienste in Anspruch.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hat in seiner Zeit als SPD-Bundesvorsitzender 2008 einen Privatjet auf Schmidts Kosten von Berlin nach Hamburg genutzt. Die Mainzer Staatskanzlei bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitschrift Stern. Reiseziel war eine von Schmidt ausgerichtete Veranstaltung. Ansonsten gab es zwischen beiden nach bisherigem Kenntnisstand keine Verbindung. Grünen-Chef Cem Özdemir wurde von dem Event-Manager 2011 zu einem Fußballspiel nach Barcelona eingeladen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kritisierte beide. „Es zeigt deutlich, wie doppelzüngig das rein taktisch motivierte Spiel der Opposition ist“, sagte er der Berliner Zeitung. Rot und Grün würden nicht müde, Wulff zu verurteilen. „Zugleich setzen sie offenkundig für sich selbst ganz eigene Maßstäbe.“ Das gehe nicht.

Für Beck ist die Angelegenheit weniger problematisch als für Özdemir, da Letzterer zum zweiten Mal als Empfänger zweifelhafter Privilegien auffällt. Der 46-Jährige hatte sich 2002 aus dem Bundestag zurückgezogen, nachdem öffentlich geworden war, dass der PR-Berater Moritz Hunzinger ihm ein Darlehen gewährt und Özdemir dienstlich erworbene Bonus-Meilen privat genutzt hatte. Auch die Wulff-Affäre begann mit Berichten über einen Privatkredit des Unternehmer-Ehepaars Geerkens für Wulff.

Wer Wulffs Rücktritt fordert

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Wulffs Vorbilder - Die Aussitzer

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Özdemir "von nichts gewusst"

Özdemir, so heißt es nun, sei schon vor längerer Zeit von den spanischen Grünen eingeladen worden. Später erreichte ihn die Einladung Schmidts, in Barcelona das Fußballspiel FC Barcelona gegen Real Madrid zu besuchen. Daraufhin habe man die Termine aufeinander abgestimmt. Der Grüne betont jedoch, er habe „von Anfang an darauf bestanden, das Ticket selbst zu bezahlen“ und eine Rechnung zu bekommen. Dass die Karte statt der von Schmidt in Rechnung gestellten 119 Euro 615 Euro gekostet haben soll, habe er nicht gewusst. Wenn ihm der tatsächliche Preis nicht in Rechnung gestellt worden sei, werde er die Differenz begleichen. „Auf dem Ticket selbst stand kein Preis.“ Aber auch wenn diese Darstellung stimmt, stellt sich die Frage, wie Özdemirs offenbar vertrauliches Verhältnis zu Schmidt zu erklären ist.

Über ein ähnliches Verhältnis zu Hunzinger war Özdemir 2002 gestürzt. Aus seinem Umfeld verlautet, die beiden hätten sich bei Veranstaltungen kennen gelernt. Die Co-Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, erlag Schmidts Werben augenscheinlich nicht. Spiegel Online zitiert sie mit den Worten: „Das grenzte schon an Stalking.“

Aus der Partei erfährt Özdemir Unterstützung. „Mir geht es mächtig auf den Keks, dass die Fälle Wulff und Özdemir miteinander verglichen werden“, erklärt der Abgeordnete Omid Nouripour. „Özdemir hat eine Rechnung verlangt und sie beglichen. Ich wüsste nicht, was ihm vorzuwerfen wäre.“ Ob das die Grünen insgesamt genauso sehen, ist noch offen. Am Montag tagen Bundesvorstand und Parteirat.

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