06.01.2012

Wulff-Skandal: Mehrheit gibt Wulff noch eine Chance

Will weitermachen: Bundespräsident Christian Wulff.
Will weitermachen: Bundespräsident Christian Wulff.
Foto: dapd

Bundespräsident Wulff hat die meisten Zuschauer mit seinem Interview nicht überzeugt. Eine Mehrheit will ihm trotzdem noch eine Chance geben.

In dem aktuellen "ARD-Deutschlandtrend extra" fanden 61 Prozent derjenigen, die das Interview gesehen hatten, Wulff eher nicht überzeugend, 30 Prozent sahen ihn positiver. Jedoch waren 60 Prozent der Ansicht, Wulff habe eine zweite Chance verdient. 36 Prozent sahen dies anders.

56 Prozent sprachen sich in der ARD-Blitzumfrage dafür aus, dass Wulff im Amt bleibt - neun Prozent mehr als vor dem Interview. 41 Prozent waren am Donnerstag dafür, dass Wulff zurücktritt. Der Präsident konnte im Vergleich zum Mittwoch auch in punkto Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit leicht zulegen, erzielt aber weiter schwache Werte.

Mehrheit glaubt nicht, dass Wulff im Amt bleibt

Eine Mehrheit hat den Eindruck, "die Medien wollen Wulff fertig machen". Bei der Infratest-Frage, ob dieser Präsident Ende des Jahres noch im Amt sein wird, sind die Deutschen gespalten: 45 Prozent glauben dies, 49 Prozent hingegen nicht.

Unsere Präsidenten - warum sie gingen

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In einer ZDF-Blitzumfrage der Forschungsgruppe Wahlen verlangten 43 Prozent Wulffs Rücktritt - 50 Prozent meinten hingegen, dass er dies nicht tun soll.

Weiterhin schwelt die Medienaffäre rund um den Anruf Wulffs beim "Bild"-Chefredakteurs Kai Diekmann mit dem Ziel, Berichte über seinen Hauskredit zu verzögern oder zu unterbinden. Diekmann selbst stellte in einem Kommentar am Freitag klar, dass es seine Zeitung keineswegs auf ein Duell mit Wulff anlege.

Wer den Fall des Bundespräsidenten jetzt zu einem Machtkampf zwischen dem ersten Mann im Staat und der größten Zeitung im Land stilisiere, der gehe "völlig in die Irre". Die Medien spielten in der Debatte eine Rolle. Diekmann: "Sie stellen Fragen, decken Fehler auf, legen Widersprüche bloß. Aber sie entscheiden nicht. Das tun die politischen Parteien. Die Bürger, die sich ihr Urteil bilden. Und ganz zuerst Christian Wulff selbst."

Wulff verweigerte am Donnerstag seine Zustimmung zur Veröffentlichung seines Drohanrufs. Die Zeitung hatte zuvor Wulffs Version widersprochen und ihn gebeten, die umstrittenen Äußerungen auf der Mailbox von Chefredakteur Diekmann verbreiten zu dürfen.

Mailbox-Nachricht vorerst nicht veröffentlicht

Wulff lehnte ab und erklärte, er wolle es bei seiner persönlichen Entschuldigung bei Diekmann belassen. "Bild" bedauerte die Entscheidung, will aber auf eine Veröffentlichung verzichten.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte der Nachrichtenagentur dpa, er gehe davon aus, dass Wulff offene Fragen schnell aus dem Weg räume. "Wir brauchen einen Bundespräsidenten, der handlungsfähig ist." Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte der dpa, er habe Verständnis, dass Wulff den Mailbox-Mitschnitt nicht freigebe. Man solle nun nicht weiter auf den Bundespräsidenten eintreten.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisierte in der "Faz" Wulffs Krisenmanagement, fordert aber zugleich, die Entschuldigung zu akzeptieren. (dpa, jon)

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