Im libyschen Bürgerkrieg starben zwischen 10.000 und 50.000 Menschen. Foto: dpa
Im libyschen Bürgerkrieg starben zwischen 10.000 und 50.000 Menschen. Foto: dpa
Das Leben auf der Erde wird friedlicher? Von wegen - 2011 gab es so viele Kriege wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Besonders im Vergleich zum Vorjahr ist die Entwicklung dramatisch.
Im Vorjahr gab es so viele Kriege wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt das Heidelberger Institut für Konfliktforschung, das 2011 zwanzig Kriege zählte. Dramatisch war die Zunahme besonders im Vergleich zum Vorjahr, in dem nur sechs Kriege gezählt wurden. Der bisherige Höchstwert des jährlichen Konfliktbarometers war 1993 mit 16 Kriegen, wie das Institut mitteilte. Insgesamt zählten die Forscher 38 „hoch gewaltsame Konflikte“, also Auseinandersetzungen mit massivem Einsatz von Gewalt und gravierenden Folgen.
Im Bürgerkrieg der libyschen Rebellen gegen das Gaddafi-Regime starben zwischen 10.000 und 50.000 Menschen.
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In Mexiko forderte der Kampf kostete der Kampf zwischen Drogenkartellen und der Regierung Tausende das Leben. Allein mehr als 200 Polizisten starben.
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In Jemen brodeln viele blutige Konflikte. Die Forscher aus Heidelberger stufen sowohl die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Islamisten sowie Al-Kaida-Gruppen und der Zentralregierung, als auch die Kämpfe zwischen Oppositionellen und dem Regime von Präsident Saleh als Krieg ein.
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In der Türkei eskalierten 2011 die Auseinandersetzungen zwischen Armee und kurdischen Separatisten, als die Regierungstruppen im August eine Offensive an der Grenze zum Irak starteten. Das Bild zeigt eine Trauerfeier in der Region, nachdem Tod von 35 Rebellen bei einem Luftangriff des türkischen Militärs.
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Nach dem Abzug der US-amerikanischen Truppen eskalierte die Gewalt im Irak, vor allem zwischen Schiiten und Sunniten.
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In Birma zwang der Autonomiekonflikt zwischen den Truppen der Junta und den Rebellengruppen (Bild) an der Grenze zu Thailand bereits Hunderttausende Einwohner zur Flucht ins Nachbarland.
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In Syrien geht das Assad-Regime seit Monaten mit unverminderter Härte gegen Oppositionelle vor.
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Der Südsudan hat im 2011 seine Unabhängigkeit erklärt. Doch die ethnischen Konflikte sind damit nicht zu Ende. Der Kampf um Vieh, Wasser und andere Ressourcen kostete Tausende das Leben. In einer Klinik erholen sich die Überlebenden der blutigen Stammeskämpfe.
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Dieser ägyptische Demonstrant lebt, er schläft nur. Hunderte seiner Mitstreiter jedoch bezahlten den Aufstand gegen Präsident Mubarak mit dem Leben. Mubarak steht inzwischen wegen seiner Mitschuld am Tod von mindestens 800 Regimegegner vor Gericht. Ihm droht die Todesstrafe.
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Maskierte Taliban im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Taliban. Auch fast elf Jahre nach Beginn des Kriegs gegen die radikal-islamistischen Kämpfer ist der Frieden am Hindukusch in weiter Ferne.
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Längst hat der Dschihad auch das Nachbarland Pakistan erfasst. Mindestens 4200 Menschen starben bei Kämpfen und Anschlägen, darunter zahlreiche Zivilisten.
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Seit 2006 tobt in Somalia der Bürgerkrieg zwischen islamistischen Gruppen wie al-Schabaab und der Zentralregierung mit unverminderter Intensität. Die UN schätzt die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen auf 2,5 Millionen Menschen.
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Der Bürgerkrieg zwischen Anhängern des Expräsidenten Laurent Gbagbo und Truppen seines Rivalen Alassane Ouattara kostete in den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 schätzungsweise 3000 Menschen das Leben. Auch nach der Verhaftung Gbagbos kam es immer wieder zu Vergeltungsschlägen.
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In der russischen Teilrepublik Dagestan kommt es immer öfter zu Anschlägen und Kämpfen zwischen islamistischen Separatisten (Bild) und russischen Regierungstruppen. Mindestens 413 Menschen wurden 2011 dabei getötet, 411 verletzt.
388 Krisenherde weltweit benennt das Heidelberger Institut für Konfliktforschung in seinem Bericht für 2011 - so viele wie nie zuvor seit 1945. In 14 Ländern tobten demnach blutige Kriege. Zum Beispiel in Nigeria, wo die radikal-islamische Terrororganisation Boko Haram bei Attentaten Hunderte Menschen tötete. Das Bild zeigt trauernde Angehörige nach einem Anschlag auf eine Kirche in Madalla im Dezember vergangenen Jahres.
Die neuen Konflikte gehen vor allem auf die Volksaufständen im Laufe des arabischen Frühlings zu tun. Jemen, Syrien, Libyen - in all diesen Länder gab oder gibt es neue Kriege. Außerdem eskalierten bereits seit längerem bestehende Auseinandersetzungen in Nigeria.
Viele Bürgerkriege
Überwiegend handelt es sich um innerstaatliche Konflikte. Besonders der Nahe und Mittlere Osten sowie Afrika sind betroffen. „Hier sehen wir hohes Potenzial für weitere Eskalationen", sagte Institutsvorstand Christoph Trinn. Verschärft haben sich der Konflikt im Sudan sowie die Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und den Drogenkartellen in Mexiko.
In den meisten Konflikten geht es darum, dass zwei Parteien für unterschiedliche Systeme oder Ideologien streiten. Ebenfalls ein häufiger Grund ist laut Bericht der Streit um Ressourcen wie Wasser oder Öl.
Schlechte Aussichten?
Eine Tendenz hin zu einer friedlicheren Welt können die Forscher "bei weitem nicht erkennen", sagte HIIK-Vorstandsmitglied Natalie Hoffmann. Ob die Zahl der Konflikte in den nächsten Jahren sinkt, hängt nun vor allem von der Entwicklung in den arabischen Ländern ab. Länder wie Libyen und Ägypten haben es geschafft, sich von ihren Diktatoren zu befreien.
Jetzt ist für viele Revolutionäre allerdings die Versuchung groß, sich an den alten Machthabern zu rächen. Bleibt zu hoffen, dass sie dieser Versuchung widerstehen. (mit dpa)
Der Zorn der Menschen richtet sich gegen Tunesiens Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali.
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Am 19. Dezember fordern Demonstranten auf einer ersten Kundgebung Reformen.
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Das war der Beginn es Volksaufstands mit mehr als 200 Toten.
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Am 14. Januar geht Ben Ali nach 23 Jahren an der Macht ins saudische Exil.
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Ein Strafgericht verurteilt den Ex-Präsidenten wegen der Veruntreuung von Staatsvermögen zu 35 Jahren Haft sowie einer Geldstrafe und Schadenersatz von umgerechnet insgesamt 46 Milliarden Euro.
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Nach tunesischem Vorbild demonstrieren am 25. Januar in Ägypten Zehntausende Menschen.
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Die Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo und in anderen Städten wachsen immer weiter an.
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Ägyptens Diktator Husni Mubarak muss nach monatelangen blutigen Protesten gegen sein Regime zurücktreten. Am 11. Februar dieses Jahres setzt er sich nach 30 Jahren im Amt nach Scharm el Scheich ab. Das Militär übernimmt die Macht.
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Ein im April veröffentlichter Untersuchungsbericht macht Mubarak für den Tod von 846 Menschen während der Proteste mitverantwortlich.
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Am 3. August beginnt in Kairo der Prozess gegen ihn, wegen Amtsmissbrauchs und Korruption.
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Die Protestwelle aus den Nachbarländern schwappte am 15. Februar auf Libyen über.
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In Bengasi kommt es zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen, Polizei und Anhängern von Machthaber Muammar al-Gaddafi.
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Blutige Kämpfe eskalieren zum Bürgerkrieg. Am 19. März starten die USA, Frankreich und Großbritannien erste Luftangriffe gegen libysche Militäreinrichtungen.
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Trotz immer mehr Luftschlägen der Alliierten und einem Vordringen der Rebellen weigert sich Gaddafi abzutreten.
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Erst nach dem Sturm der Rebellen auf seine Hochburg Tripolis scheint der Diktator am Ende.
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Auch im syrischen Polizeistaat des Präsidenten Baschar al-Assad gehen am 18. März erstmals Tausende auf die Straße und fordern Reformen.
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Bei Zusammenstößen mit der Polizei werden erste Demonstranten getötet. Am 22. April fordern im ganzen Land 100.000 Menschen ein Ende der Gewaltherrschaft Assads.
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Später setzt der Diktator auch die Armee ein und lässt die Opposition in mehreren Städten von Panzern und Artillerie zusammenschießen.
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Diplomaten an einem Massengrab: Nach einer UN-Schätzung kamen rund 1900 Menschen ums Leben. Nach langem Zögern verurteilte der UN-Sicherheitsrat das Regime, das Blutvergießen aber geht weiter.
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Skeptisch regiert die Opposition auf die Ankündigung Assads vom 18. August, künftig nicht mehr die Armee gegen Regimegegner einzusetzen.
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Im Armenhaus Jemen rufen Demonstranten im Januar eine Protestbewegung zum Sturz des seit 33 Jahren herrschenden Staatschefs Ali Abdullah Salih ins Leben.
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Mehrfach gehen Zehntausende auf die Straße. Dutzende Menschen sterben, als Sicherheitskräfte auf Demonstranten schießen.
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Salih erholt sich in Saudi-Arabien von den Folgen eines Attentats. Er lehnt bisher einen Rücktritt ab und setzt auf eine zerstrittene Opposition.
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Am 17. August bilden unterschiedliche Gruppen von Regimegegnern einen „Nationalrat“, der den Widerstand gegen Salih koordinieren soll. Scheich Sadeq al-Ahmar, Oberhaupt des Hashid-Stammes, nimmt auch daran teil.
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