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Polizei ermittelt gegen Beamten, der beim Zapfenstreich den Knüppel zückte: Nach dem Prügeln sofort versetzt

Die Polizei ermittelt gegen einen prügelnden Beamten. Er soll am Mittwochabend seinen Schlagstock unverhältnismäßig gegen Demonstranten eingesetzt haben. Bei der Demonstration gegen den Zapfenstreich der Bundeswehr war es an der Ecke Unter den Linden/ Schadowstraße zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Im Einsatz waren auch Polizisten in Zivil, die zum so genannten Mobilen Einsatzkommando (MEK) gehören.Bei den Auseinandersetzungen ging ein MEK-Beamter mit einem Mehrzweckschlagstock (Tonfa) auf Demonstranten los, die lediglich lautstark gegen die Polizei protestiert hatten, nicht aber gewalttätig waren. Mit voller Kraft schlug er immer wieder scheinbar wahllos auf die Menschenmenge ein (wir berichteten). Er verletzte mehrere Demonstranten. "Der Mann kam aus dem Nichts", erinnert sich der 23-jährigen Student Thomas W., der den Polizeiknüppel auf die rechte Hand bekam. Ein Arzt diagnostizierte gestern bei ihm eine schwere Handgelenkprellung. "Da war auch noch ein zweiter Zivilpolizist mit einer grünen Polizeiweste, der ebenso wild zuschlug", sagt W. Anzeige zu erstatten traut er sich nicht: "Da kommt nichts bei heraus und man bekommt noch mehr Ärger."Kennzeichnung gefordertDer Student irrt. Im Gegensatz zu vergleichbaren Fällen unverhältnismäßigen Schlagstockeinsatzes konnte dieser Polizeibeamte nun klar identifiziert werden. Umstehende Fotografen und Kameraleute dokumentierten das Prügeln. Die Schläge können nun auch im Internet unter www.interpool.tv angesehen werden. "Der Polizeipräsident hat deshalb von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren gegen den Beamten wegen Verdachts der Körperverletzung im Amt eingeleitet", sagte ein Polizeisprecher. "Darüber hinaus wird der Beamte ab sofort seinen Dienst auf einer anderen Dienststelle versehen.""Der Polizeipräsident hat richtig reagiert", sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann. "Doch wenn das ein Beamter mit Helm gewesen wäre, hätte ihn niemand identifizieren können. Deshalb brauchen wir bei solchen Einsätzen die Kennzeichnung der Polizeibeamten." Ratzmann unterstrich seine Forderung nach einem unabhängigen Gremium, das die Arbeit der Polizei kontrolliert.In einer abschließenden Bilanz stellte die Polizei gestern fest, dass der Aufzug der rund 1 500 Bundeswehrgegner "überwiegend friedlich" verlaufen sei. Die Polizei sprach 67 Platzverweise aus und nahm fünf Demonstranten fest. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt.------------------------------Foto: Ein Dokument der Schläge: Bei den Protesten gegen den Zapfenstreich prügelte ein Zivil-Polizist offenbar grundlos.