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Familiendrama in Kreuzberg: Mann erschießt Ehefrau und dann sich selbst

Von 
Rettungskräfte bringen den lebensgefährlich Verletzten ins Krankenhaus. Dort stirbt er wenig später.
Rettungskräfte bringen den lebensgefährlich Verletzten ins Krankenhaus. Dort stirbt er wenig später.
 Foto: Thomas Schröder
Berlin –  

Ein 40-Jähriger erschießt seine Frau und dann sich selbst in der Kreuzberger Oranienstraße. Die Kinder müssen die Tat in der Wohnung mit ansehen. Dem Mord war ein Streit über einen Umzug in die Türkei vorausgegangen.

Er wurde nie heimisch in Deutschland, wollte zurück in die Türkei. Sie dagegen wollte nicht aus Deutschland weg. Am Dienstagabend erschoss Attila U. seine 39-jährige Frau Turna und dann sich selbst – vor den Augen der drei gemeinsamen Kinder.
Das Drama ereignete sich kurz vor 22 Uhr im dritten Stock einer Wohnung in der Kreuzberger Oranienstraße.

Die Kinder – ein 18-Jähriger sowie eine zwölf- und eine zehnjährige Tochter – flüchteten danach panisch in die gegenüberliegende Wohnung eines Nachbarn. Von dort aus rief die Zwölfjährige die Feuerwehr an und berichtete, ihr Vater habe gerade seine Mutter und anschließend sich selbst erschossen.

Paar war Cousin und Cousine

Zwei Notärzte konnten den Familienvater kurzzeitig wiederbeleben. Er starb jedoch wenig später im Krankenhaus Friedrichshain. Die Kinder kamen bei der Großmutter unter. Die große Familie der Getöteten wohnt in der Nähe, am Oranienplatz.
Die 2. Mordkommission des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen.

Die Obduktion der beiden Toten ergab am Nachmittag, dass Attila U. seine Frau durch zwei Schüsse in den Oberkörper umgebracht hat. Er selbst schoss sich dreimal in die Brust. Die Pistole hatte er sich illegal besorgt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der 40-Jährige keinen Waffenschein. „Woher er die Pistole hat, ist noch unklar“, sagte Justizsprecher Martin Steltner. „Das Motiv lag im persönlichen Bereich.“

Nachbarn und Bekannte sagen, dass sich der Mann und die Frau des öfteren gestritten hatten. Denn Attila U. galt als cholerisch und krankhaft eifersüchtig. Er und seine Frau waren Cousin und Cousine. Ihre Heirat wurde von beiden Familienzweigen im Jahr 1993 arrangiert.

Er zog dann zu seiner Frau nach Berlin. Doch wohl fühlte er sich nach Angaben von Bekannten in Deutschland nie. Er wollte unbedingt zurück in die Türkei, nach Kaysery. Aus der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Kappadokien stammt seine Familie.

Seine Frau wollte dagegen in Deutschland bleiben. Turna U. ist in Berlin aufgewachsen, ebenso ihre Kinder, die ebenfalls Deutschland nicht verlassen wollten. Eines Tages soll Attila U. seine Eltern in der Türkei gefragt haben, ob sie ihn und seine Frau bei sich aufnehmen würden. Doch die stimmten offenbar nur unter der Bedingung zu, dass auch die Kinder kommen müssten. Das aber sei für Turna U. und die Kinder nicht in Frage gekommen.

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Derweil schlug sich Attila U. mit verschiedenen Jobs durch. Hauptsächlich arbeitete er als Taxifahrer. Zwischendurch lebte er von Hartz IV. Der Polizei ist er kein Unbekannter. Im vergangenen Jahr wurde er unter anderem wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Zudem erhielt er im selben Jahr einen Strafbefehl wegen Unterschlagung. Vor knapp drei Jahren soll ein viertes Kind unterwegs gewesen sein, das aber kurz vor der Geburt starb. Von da an soll es mit der Beziehung bergab gegangen sein und das Ehepaar sich immer weiter auseinandergelebt haben.

Sympathie für Extremisten

Die Einstellung von Attila U. wurde in letzter Zeit immer nationalistischer. Das zeigt sich unter anderem auf seiner martialisch aufgemachten Facebook-Seite. Dort wimmelt es im „Gefällt mir“-Bereich von Verweisen auf die nationalistische Bewegung „Graue Wölfe“ und die rechtsextreme „Milliyetçi Hareket Partisi“, der Partei der Nationalistischen Bewegung.

Seine Frau Turna soll er immer wieder bedrängt haben, sich wie eine „stolze Türkin“ zu benehmen. Und Turna, die noch bis vor ein paar Jahren ihre Haare auf der Straße offen trug, versteckte sie nun unter einem Kopftuch.

Trotzdem bemühte sich das Paar offenbar, nach außen hin so normal wie möglich zu erscheinen. Jeden Morgen brachte die Frau die Kinder zur Schule, dann kaufte sie beim Bäcker schräg gegenüber ihre Sesambrötchen. Auch er trank dort stets seinen Kaffee. Am Dienstag, gegen 19 Uhr, wurden beide noch im nahe gelegenen Supermarkt gesehen. Drei Stunden später war Turna U. tot.

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