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Präsident des Zentralrats fordert Zeichen der Solidarität: Brandanschlag auf Synagoge in Düsseldorf

DÜSSELDORF, 3. Oktober. Auf die Düsseldorfer Synagoge ist in der Nacht zum Jahrestag der deutschen Einheit ein Anschlag verübt worden. Unbekannte schleuderten einen Stein und mehrere Brandsätze in den Eingangsbereich des jüdischen Gotteshauses, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Zwei zunächst als tatverdächtig festgenommene Jugendliche kommen nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Täter nicht in Betracht. Zu Übergriffen gegen Ausländer und anderen Zwischenfällen mit rechtem Hintergrund kam es in Berlin, Schwerin und in Hiddenhausen bei Bielefeld. In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald warfen Unbekannte Steine gegen die gläserne Außenwand eines Pavillons. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, forderte ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den Juden. Am Rand der Einheitsfeiern in Dresden sprach er von einem "abscheulichen und antisemitischen Vorfall". Der Düsseldorfer Anschlag sei der zweite Anschlag auf Juden binnen eines halben Jahres. Nun werde deutlich, dass Rechtsradikalismus und Antisemitismus nicht nur in Ostdeutschland stattfinde. "Das gibt uns in der Tat zu denken, ob es wirklich richtig war, hier in Deutschland wieder jüdische Gemeinden aufzubauen", sagte er. "Wir sind mehr als besorgt über das, was uns noch bevorsteht." Ältere Menschen fragten ihn, ob sie Deutschland wieder verlassen müssten. "Ich weiß noch nicht, was ich den Menschen sagen soll", sagte Spiegel. "Wir brauchen sehr dringend ein Zeichen, dass die deutsche Bevölkerung das nicht will, dass es sich um Einzeltäter handelt. Auf dieses Zeichen warten wir." Nach Informationen des Kölner "Express" wurde Spiegel vor einer Woche eine Bombenattrappe zugeschickt. Auf einem beiliegenden Zettel habe gestanden: "Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat." Die Polizei bestätigte dies.Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) verurteilte den Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge als "feige und verabscheuungswürdig". Jetzt müssten die Täter schnell gefasst und hart bestraft werden. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, er finde die Empörung von Spiegel "sehr, sehr verständlich". Er betonte, Deutschland müsse sich gegen die rechte Gewalt zur Wehr setzen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) mahnte ebenfalls, die Deutschen müssten "Flagge zeigen gegen den Rechtsextremismus". Er will sich am heutigen Mittwoch mit Spiegel treffen. FDP-Chef Wolfgang Gerhardt sagte, es müsse noch viel getan werden, damit Toleranz, Achtung und Menschlichkeit das Handeln eines jeden bestimmten. Die Grünen-Chefin Renate Künast und Fraktionschefin Kerstin Müller erklärten: "An einem Tag wie dem zehnjährigen Jubiläum der deutschen Einheit sind wir besonders erschrocken und erschüttert über diese rechtsextremistischen Gewalttaten an zwei so symbolträchtigen Orten." (Politik S. 9, Berlin S. 25 und 29, Brandenburg S. 33)"Das gibt uns in der Tat zu denken, ob es wirklich richtig war, hier in Deutschland wieder jüdische Gemeinden aufzubauen. " Paul Spiegel, Zentralrat