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Presseschau zu Israel: Die Suche nach dem Schuldigen

Ein palästinensischer Junge spielt im Schutt eines zerstörten Hauses in Beit Hanoun im Gaza-Streifen.

Ein palästinensischer Junge spielt im Schutt eines zerstörten Hauses in Beit Hanoun im Gaza-Streifen.

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AP/dpa

Die israelische Offensive im Gazastreifen könnte der Beginn eines neuen Kriegs im Nahen Osten sein. In dieser Befürchtung ist sich die internationale Presse einig. Aber die Antworten auf die Frage, wer die Verantwortung für die Lage trägt und wie die Kriegsgefahr beschränkt werden könnte, sind disparat.

In der Welt erklärt Richard Herzinger die Palästinenser zu den Hauptverantwortlichen für die Lage: „Israel hat ein internes Problem mit gewalttätigen Extremisten, während im Gazastreifen eben solche an der Macht sind. Und mit diesen hat der ‚gemäßigte‘ Palästinenserpräsident Abbas gerade eine Einheitsregierung gebildet – womit er den jüngsten Friedensbemühungen den Todesstoß versetzte. Die Indoktrination mit antijüdischem Hass von Kindesbeinen an ist auch im Westjordanland ungebrochen. Und doch fällt die Weltöffentlichkeit immer wieder auf den Mythos von Palästina als dem ewigen unschuldigen Opfer herein. Dies wird wohl wieder der Fall sein, sollte Israel seine massiven Luftangriffe auf Hamas-Stellungen zu einer Bodenoffensive in Gaza ausweiten. Doch welche Wahl bleibt dem Land? Kein Staat kann es zulassen, dass auf seine Städte unausgesetzt und mit steigender Intensität Raketen gefeuert werden. Dabei wird eine israelische Offensive die Hamas nur merklich schwächen, sie aber auch dieses Mal nicht gänzlich zerschlagen können.“

Israel hat Eskalation zu verantworten

Das sieht der Kommentator der dänischen Tageszeitung Politiken vollkommen anders. Für ihn liegt die Verantwortung für die Eskalation vor allem bei Israel: „Egal, wie wir es drehen, eines der größten Hindernisse für den Frieden zwischen den beiden (Israel und den Palästinensern) ist die israelische Besatzung, die über die Jahre nur mehr und mehr geworden und dabei ist, jegliche Grundlage für einen palästinensischen Staat zu untergraben. (...) Es geht darum, ein klares Signal an Israel zu senden, dass die Besatzungspolitik giftig ist, nicht nur für die Beziehung des Landes zu seinem Nachbarn Palästina, sondern auch für die Beziehung des Landes zum Rest der Welt. Besatzungen bringen weder Sympathie noch Respekt. Sie schaffen auch keine Sicherheit. Und sie machen Israel sowohl kleiner als auch schwächer.“

Ausgewogen kommentiert die französische Regionalzeitung Le Journal de la Haute-Marne die Lage. Sie sucht weniger nach dem Schuldigen, vielmehr – wenn gleich nicht sehr erfolgreich – nach einer Möglichkeit der Deeskalation: „Es bedurfte nur einiger Tage, bis eine ähnliche Situation wie im Jahr 2008 entstand, die damals zu der (israelischen) Militäroperation ‚Gegossenes Blei‘ geführt hatte: Raketenangriffe auf den Süden Israels, israelische Bombenangriffe gegen Stellungen der Hamas-Bewegung im Gazastreifen. Wird die Geschichte sich bis zum Ende wiederholen, mit einer neuen Bodenoffensive der israelischen Armee? Dies ist wahrscheinlich, weil die Hamas eine beeindruckende Zahl von Raketen angesammelt hat – eine Bedrohung, die Israel gewiss ausschalten will. Mit dem neuen Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis stellt sich erneut die Frage einer Koexistenz der beiden Völker.“