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Queens lecture: Der Glücklichmacher

Paul Dolan, britischer Glücksforscher.

Paul Dolan, britischer Glücksforscher.

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privat

Trinkspiele sind kein guter Weg zur Glückseligkeit. Sie enden meistens mit einem bösen Kater. Der fühlt sich alles andere als himmelhochjauchzend an. Doch es gibt ein Trinkspiel, das der Glücksforscher Paul Dolan ausdrücklich empfiehlt. Es kommt aus den USA und wird auch schon in Berliner Restaurants gepflegt. Treffen sich Freunde zum Essen oder auf einen Wein, legen sie alle ihre Handys umgedreht in die Mitte auf den Tisch. Der erste, der zu seinem greift, weil er glaubt, unbedingt eine SMS lesen oder ein lebenswichtiges Fußballergebnis ergoogeln zu müssen, zahlt die nächste Runde Getränke für alle.

„Schalt dein Handy aus, wenn du mit Freunden zusammen bist“, sagt Paul Dolan, „das macht dich glücklich.“ Am Montag ab 17 Uhr kann man dem Professor für Verhaltensforschung von der London School of Economics and Political Science im Audimax der Technischen Universität zuhören.

Er spricht im Rahmen der „Queen’s Lecture“, ein Geschenk, das die englische Königin im Jahr 1966 der Stadt Berlin machte. Jedes Jahr schickt das Königreich einen anderen renommierten Forscher. Paul Dolan berät sogar Politiker seines Landes in der Frage, was die Briten zufriedener machen könnte, denn er macht Wohlstand nicht allein von ökonomischen Faktoren abhängig. Der gebürtige Londoner, 45 Jahre alt, war eine Zeit lang Gastprofessor an der Elite-Universität Princeton und widmete sich in New York der Gesundheitsforschung. Seine Theorie „Happyness of design“, die er am Montag auch in Berlin vorstellt, geht davon aus, dass jeder Mensch, aber auch eine Regierung oder eine Firma, die Umwelt so gestalten kann, dass sie glücklicher macht.

In Zeiten von Smartphones, E-Mails und Facebook ist das gar nicht so leicht, denn Multitasking steht laut Dolan dem Streben nach Wohlbefinden im Weg. Moderne Technologien hätten mehr Auswirkungen auf das Seelenheil ihrer Nutzer, als diese glaubten. Sie lenkten den Menschen von dem ab, was ihn eigentlich am glücklichsten macht. „Zufrieden ist man, wenn man ganz bei dem ist, was man gerade tut“, ist das Credo auf Dolans Vorträgen. Glücksforscher nennen es auch „Flow“, den Zustand des totalen Aufgehens in einer Tätigkeit, in die man so vertieft ist, dass man die Zeit vergisst. Schließt man einen Menschen, der sich im „Flow“ befindet, an Messgeräte an, zeigen sie einen optimalen Einklang von Herzschlag, Atmung und Blutdruck – das Gegenteil von Stress.

„Unser Gehirn ist faul“, sagt Dolan. „Es verbraucht zu viel Energie, wenn es dauernd hin- und herschalten muss.“ Dann werde es müde. Die Vorträge des Forschers, der auffällige, wechselnde Brillen trägt, sind locker und bildhaft. Im weiten Hemd schlendert er über das Podium und demonstriert dann gerne ein Syndrom namens „Phantom-Vibration“, das er nicht nur bei sich beobachtet hat. Er greift in die Hosentasche, schaut auf sein Handy, weil er glaubt, eine SMS bekommen zu haben – aber da ist gar keine.


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